Alan Parsons Live Project

The NeverEnding Story - Live In The Netherlands

Frontiers
VÖ: 2021

Perfektion mit Seele und Wärme

Bis Anfang der neunziger Jahre war die 1974 vom ehemaligen Beatles-Toningenieur Alan Parsons und Songschreiber Eric Woolfson gegründete Zweckgemeinschaft ein reines Studioprojekt. Dem großen Erfolg ihres Debüts Tales Of Mystery And Imagination, eine Hommage an den amerikanischen Schriftsteller Edgar Allan Poe, folgten Kult-Klassiker wie Pyramid oder das von Isaac Asimovs gleichnamigen Roman inspirierte I Robot.

Die sensible und sehr britische Mischung aus leichtgängigen Pop-, sinfonischen Progressive-Klängen mit Klassik-Einschlag und einer dezenten elektronischen Schlagseite erfährt mit Woolfsons AOR-Hit ›Eye In The Sky‹ vom gleichnamigen Album 1982 kurzzeitigen Mainstream-Erfolg. Zum Gedenken an seinen 2009 verstorbenen Partner überwindet Parsons gegen Mitte des letzten Jahrzehnts seine Bühnenphobie und geht mit seinem detailliert ausgefeilten Sound unter dem Gütesiegel The Alan Parsons Live Project auf Tour. Die Konzerte bestreitet er mit der unabdingbaren Sorgfaltspflicht und Raffinesse des geborenen Perfektionisten.

Auf der Bühne hält sich der 71-Jährige lange im Hintergrund. Er thront, umringt von Synthesizer und Akustikgitarre, auf einem Podest neben dem Schlagzeug, singt gelegentlich (›Don’t Answer Me‹) und überlässt die musikalischen Feinheiten seiner exquisiten Begleitband, von der besonders Gitarrist Jeff Kollman und Keyboarder Tom Brooks hervorstechen. Das schwelgerische ›One Note Symphony‹ eröffnet den Abend mit dem opulenten Klang von vier samtweichen Gitarren fast im Stil eines klassischen Orchesters.

Sein aktuelles Werk The Secret will Parsons als Konzept-Album über Magie verstanden wissen. Der Hobby-Illusionist und seine engagierten Begleiter haben allerdings mehr als Taschenspielertricks zu bieten und begeistern die Anwesenden mit vielen zauberhaften Momenten. Virtuos erweitern Kollmann und Bassist Guy Erez ›I Wouldn’t Want To Be Like You‹ um geschmackvolle Bass- und Gitarrenimprovisationen, P. J. Olsson singt die Ballade ›Don’t Let It End‹ mit viel Gefühl, im etwas an Jean-Michel Jarre erinnernden Instrumental ›I Robot‹ pluggern die Synthies geradezu ekstatisch um die Wette.

Leiden seine Platten bisweilen unter einem synthetischen Anstrich, so ist davon auf der Bühne, von einigen Sequencer-Einspielungen abgesehen, nichts zu spüren. Mit viel Wärme und Seele gibt Parsons das melancholische ›When Lights Fall‹ oder Woolfsons ›Eye In The Sky‹ zum Besten. Der vom Amsterdamer Publikum ausgelassen bejubelte Mainstream-Hit ›Games People Play‹ beschließt die zweistündige Vorstellung, die auch als DVD oder Blu-ray-Nachlese erwartungsgemäß höchsten technischen Ansprüchen genügt.

 

Keine Wertung
TEXT: MARKUS BARO

ROCKS PRÄSENTIERT

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