Axel Rudi Pell

Alles, was dem Chef gefällt

Auch auf seinem zweiten Cover-Album verlässt Hardrock-Routinier Axel Rudi Pell sein musikalisches Terrain. Diamonds Unlocked II spannt einen weiten Bogen über Ritchie Blackmore über Tom Jones und Chris Norman bis hin zu Abba.

Eigentlich wollte Axel Rudi Pell in diesem Jahr auf einer ausgedehnten Tour zu seinem Top-5-Album Sign Of The Times (2020) unterwegs sein. Dazu kommt es aus bekannten Gründen nicht. Stattdessen trommelte der Gitarrist seine deutsch-amerikanische Band zusammen, um ein Album mit Coverversionen einzuspielen: Sein zweites nach Diamonds Unlocked (2007). »Meine Plattenfirma war von der Idee zunächst nicht ganz so begeistert. Ich fand aber, dass es eine gute Gelegenheit wäre — die Alternative wäre ja gewesen, während der Corona-Pandemie gar nichts zu machen. Zumal sich bei mir einige Songs angesammelt hatten, die ich unbedingt mal covern wollte«, erklärt Pell.

Die Auswahl der zehn Stücke, die es neben dem von ihm komponierten Instrumental-Intro ›Der Schwarze Abt‹ auf das Album schafften, nahm der Routinier alleine vor. »Bei mir wird immer so lange diskutiert, bis ich Recht habe«, kommentiert er lachend und fügt hinzu: »Im Ernst: Die anderen fanden meine Vorschläge auch cool und hatten Spaß an den Songs.«

Für die beiden New Yorker Johnny Gioeli (Gesang) und Bobby Rondinelli (Drums), die mit Bassist Volker Krawczak und Keyboarder Ferdy Doernberg seine Stammformation bilden, hatte Pell die eine oder andere Überraschung parat. Songs wie ›Black Cat Woman‹, im Original von Geordie aus der Zeit mit Brian Johnson, ›Rock’n’Roll Queen‹ von den britischen Indie-Rockern The Subways und ›Sarah (You Take My Breath Away)‹ vom ehemaligen Smokie-Frontmann Chris Norman seien den beiden vor den Aufnahmen gar nicht bekannt gewesen.



Die letztgenannten Titel deuten bereits an, dass der Bochumer auch beim zweiten Diamonds Unlocked-Album wieder einen weiten musikalischen Bogen spannt. So sind auch der Scramin’ Jay Hawkins-Klassiker ›I Put A Spell On You‹ und ›Eagle‹ von Abba vertreten, ebenso wie Paul Ankas ›She’s A Lady‹, das einst Tom Jones zum großen Hit machte. »Die Bandbreite der Musik, die ich persönlich gerne mag, ist eigentlich unendlich.

Ich bin nicht genrefixiert und höre privat längst nicht nur Hardrock und Heavy Metal. Wichtig ist: Mir muss der Song gefallen«, betont der Musiker. Eine Hommage an seinen Helden Ritchie Blackmore ist selbstredend auch enthalten, in Form des eher selten gehörten Rainbow-Titels ›Lady Of The Lake‹. Auch in Pells Version des arg strapazierten ›Paint It Black‹ klingt der Einfluss des legendären englischen Gitarrenhexers durch. »Ich habe mich nicht nur am Original der Rolling Stones orientiert, sondern auch an der Version von Deep Purple, die sie auf ihrer Tour 1993 gespielt haben«, so Pell. Entsprechend bietet seine Interpretation ausführliche Soloparts von ihm und Keyboarder Doernberg.

Ehe Pell wieder mit seiner Band auf der Bühne stehen kann, wird noch einige Zeit ins Land gehen. Alle geplanten Live-Aktivitäten sind nun definitiv ins Jahr 2022 verschoben worden. Womöglich hat der Gitarrist bis dahin schon den nächsten Longplayer unter Dach und Fach. »Wir sind voraussichtlich ab Dezember im Studio«, kündigt er an. »Ich habe gerade angefangen, Songs für das nächste Album zu schreiben.«


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