Coco Montoya

Coming In Hot

Alligator
VÖ: 2019

Eine richtig runde Sache

Die Blues-Karriere Henry Montoyas reicht zurück bis in die frühen Siebziger, als er zum Schlagzeuger in der Band von Albert Collins berufen wurde. Der Durchbruch als Gitarrist glückte ihm erst ein gutes ein Jahrzehnt später bei John Mayall, bei dessen Bluesbreakers er sich das Scheinwerferlicht unter anderem mit Walter Trout teilte. Seit 1995 ist Montoya auch als Solo-Künstler unterwegs, der sich im Spannungsfeld von klassischem Chicago- und smootherem Soul-Blues zuhause fühlt — wobei viele seiner Platten des zurückliegenden Jahrzehnts auf Tuchfühlung mit melodisch stark ausgefeilten Song-Formaten gingen und Montoya als Sänger ins rechte Licht zu rücken versuchten: Viele Traditionalisten wollten erst wieder nach dem Labelwechsel vor zwei Jahren richtig zuhören.

Coming In Hot führt weiter, was der Gitarrist damals in einem ersten Schritt auf Hard Truth korrigierte. Lediglich der Titelsong stammt von Montoya, das übrige Material besteht aus exzellenten Adaptionen von Stücken, die auf Albert Collins (›Lights Are On But Nobody’s Home‹ ist ein Traum), Tom Hambridge (in ›Good Man Gone‹ scheinen der Iceman und Robert Cray miteinander zu verschmelzen) und Bobby Bland (gespielt wird das gospellastige ›Ain’t It A Good Thing‹) zurückgehen. Auch Stücke von Warren Haynes (der Gesang und die Gitarre in ›What Am I?‹ bewahren die Eigenheiten des Urhebers) und sogar Frankie Miller (›Trouble‹) macht Montoya zu seinen eigenen, die als Songsammlung einen erfreulich zusammengehörigen und runden Eindruck hinterlassen.

Auch die verhältnismäßig schlichte, live und lebendig tönende Produktion der Platte hat daran Anteil, die abermals Schlagzeuger Tony Braunagel und Rhythmus-Gitarrist Johnny Lee Schell zu verantworten haben. Hammond-Orgel und (Wurlitzer-)Klavier stammen erneut von Szene-Veteran Mike Finnigan, der Bass von Bob Glaub und Mike Mennell: Wer mit den letzten Alben von Robert Cray etwas anfangen kann, sollte auch mit dem etwas weniger sanftpfotigen Coming In Hot glücklich werden.

(8/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

ROCKS PRÄSENTIERT

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