Gotthard

Steve Lee über Rainbow Rising (1976)

Heute jährt sich sein Todestag zum elften Mal. In unserer Rubrik "Helden über Helden" verneigte sich Gotthard-Sänger Steve Lee vor einem Album, das ihn besonders prägte: Rising von Rainbow.

TEXT: STEVE LEE

Es gibt viele Alben, die mir viel bedeuten und die mein Leben auf die eine oder andere Weise geprägt haben. Ein ganz besonderer Held ist für mich aber Ronnie James Dio. Und wenn ich an seine Stimme denke, fällt mir in erster Linie Rising von Rainbow ein: Für mich die vollkommene Mischung aus Melodie und Heaviness.

Ich verbinde dieses Album stark mit meiner Jugend. Mit einer Zeit, als ich nicht mal eben in den Laden gehen und mir auf einmal vier oder fünf neue CDs kaufen konnte. Damals war der Erwerb eines Albums ein großes Ereignis. Als es 1976 rauskam, habe ich es im Laden entdeckt und musste es einfach haben. Schon das Plattencover hat mich fasziniert. Das Keyboard-Intro von Tony Carey zu ›Tarot Woman‹ hat mich dann dermaßen umgehauen, es hat mich auf direkten Weg in eine Traumwelt hineingezogen.

Damals musste ich mein Geld hart zusammensparen, zum Beispiel habe ich den Rasen unseres Nachbarn gemäht und mir so etwas dazuverdient. Mit meinen letzten Franken habe ich mir damals diese LP gekauft und sie dann mit dem Fahrrad nach Hause transportiert. Sie war für mich ein Heiligtum und ich hätte denjenigen, der die Platte zerkratzt hätte, wahrscheinlich zusammengeschlagen.



Rainbow waren eine Band, die auf meine Generation eine genauso magische Wirkung ausübte wie Elvis Presley oder Bill Haley auf die Generation meines Vaters. Und Rising hat alles auf den Punkt gebracht. Das Cover, die Songs und die virtuosen Musiker. Auch der Sound war und ist unglaublich gut.

Aber vor allem faszinieren mich diese unglaublichen Melodien und Dios Gesang, der er eine unglaublich breite Palette an Stimmungen transportiert. Er ist ein großes Vorbild für mich. Ich finde es sehr interessant, was aus den einzelnen Musikern der damaligen Rainbow-Besetzung geworden ist. Gerade aus Ritchie Blackmore. Er hatte einfach die Nase voll von den harten Gitarrenriffs und geht mit Blackmore’s Night in eine völlig andere Richtung. Das respektiere ich total.



Allerdings bin ich mir schon sicher, dass er eines Tages doch wieder auf die alte Hardrock-Schiene zurückkommen wird. Und dann hoffentlich mit Rainbow und mit Ronnie James Dio als Sänger. Cozy Powell war zudem ein absoluter Ausnahmeschlagzeuger. Sehr schade, dass er schon gestorben ist. Und Tony Carey erwähnte ich ja bereits. Ich traf ihn vor einigen Jahren, und wir unterhielten uns über eine mögliche Zusammenarbeit. Daraus ist allerdings nie etwas geworden. Vor allem wegen meiner Verpflichtungen mit Gotthard.

Es sind seitdem so viele richtig gute und für die Musik wichtige Alben veröffentlicht worden. Operation:Mindcrime von Queensryche fällt mir spontan ein. Dennoch besitzt Rising eine Ausnahmestellung in der Musikgeschichte. Und in meinem Leben.



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