Inglorious

Inglorious

Frontiers
VÖ: 2016

Gefühlsechte junge Leute mit Schmerz und Stolz

Der Aufwand, der um diese neue Band betrieben wird, ist enorm. Er ist vor allem ein Signal ihrer Plattenfirma. Die ist sichtlich stolz ist auf ihre neueste Errungenschaft, die auf den ersten Blick nicht wirklich in ihr Beuteschema zu passen scheint. Inglorious sind weder ein Projekt, noch ein Zusammenschluss etablierter Genregrößen, sondern eine junge Band mit hochgesteckten Ambitionen, die sich ziemlich selbstbewusst zwischen die Altvorderen des klassischen Hardrock der Siebziger zu drängen versucht.

Kern der Band ist der Sänger Nathan James, der ausgerechnet durch eine Casting-Show im britischen TV bekannt wurde. Geburtshelfer des Debütalbums waren als Songschreiber Al Pitrelli und Joel Hoekstra, als Gastgitarristen und amtlicher Qualitätsnachweis treten Micky Moody und John Mitchell auf. Das Album aber beginnt mit Orgel: Ein Jon Lord-Gedächtnis-Gurgeln stellt die Weichen für über 45 Minuten gefühlsechte und handwerklich hochkompetent gespielte Musik zwischen Deep Purple, Led Zeppelin und Whitesnake. In jedem Solo, in jeder Gesangslinie, in jedem Arrangement wird die Liebe zu diesem Stil und zu den kleinen Details hörbar, die ihn ausmachen.

Da ist der leiernde, repetitive Riff im Opener, der Drive von ›Breakaway‹, die Gitarrensoli, die im Zweifelsfall näher am Blues denn am Turbo-Hardrock der Achtziger liegen und damit den frühen Whitesnake mit Mickey Moody und Bernie Marsden ähneln. Da ist das beklemmend groovige ›Holy Water‹, das in seiner geradezu beängstigend schleppenden Schwere an die frühen Free erinnert — nur eben mit dem Sound und in der Lautstärke des 21. Jahrhunderts.

Es bricht sich ein gospel-artiger Refrain Bahn, bevor James am Ende mit geächztem „Baby, baby, baby“ an Meister Coverdale denken lässt. Überhaupt: Dieser Kerl ist kein Klischee-Sänger mit bloß dicken Eiern. Was er zu bieten hat, führt er kompakt in ›Bleed For You‹ auf, ohne dass es aufgesetzt wirkt: Schmerz, Stolz, sogar einen Hauch von Theater-Drama.

(8.5/10)

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