Inglorious

Ride To Nowhere

Frontiers
VÖ: 2019

Mitnichten eine Reise ins Nichts

Die Zukunft von Inglorious ist spannender denn je: Noch bevor im Januar ihr drittes Album erscheint, haben sich die Gitarristen Andreas Eriksson und Drew Lowe sowie Bassist Colin Parkinson aus der einst so hoffnungsvoll gestarteten Band ausgeklinkt. Dass dieser Schritt mitnichten im Zusammenhang mit der grundsätzlichen Ausrichtung dieses neuen Albums steht, beteuern drei der Musiker im Interview dieser Ausgabe glaubhaft. Weshalb auch? Ride To Nowhere ist ihre mit Abstand stärkste Platte geworden. Frei von Fehl und Tadel waren ihre ersten zwei Ergüsse nicht. Vor allem das mangelnde Gespür für Subtilität und Dynamik mussten sie sich darauf ankreiden lassen; ganz besonders ihr singendes Alphatier Nathan James, der viele Songs zu einer kühl kalkulierten Sangesshow verkommen ließ. All das ist nun vorbei. Und den schönsten Beleg hierfür liefert James selbst im Song-Finale dieses Albums: ›Glory Days‹ ist eine sich intensivierende Nummer mit Akustikgitarren und Mandoline sowie einem leise dröhnenden Harmonium, die sein emotionsgeladener Gesang tatsächlich auszufüllen versteht. Der Zuwachs an Reife, Substanz und Dynamik steht ihrer Musik gut, die sich weiterhin der Tradition von Whitesnake und Led Zeppelin verpflichtet fühlt, neuerdings aber andere Klangfarben (der knurrende Bass, die schmatzenden Gitarren) zulässt, die ihren Sound ganz erheblich aufwerten: Es gibt Reminiszenzen an Mr. Big und Richie Kotzen, an Glenn Hughes (Addiction) und Extreme (Waiting For A Punchline) — und Lieder mit so viel spielerischer Finesse und Tiefgang, dass man James’ Optimismus ob einer geschmeidigen Fortführung seiner Band unbedingt folgen möchte. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

 

(8/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

ROCKS PRÄSENTIERT

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