Jared Cohn

Street Survivors: Die wahre Geschichte des Flugzeugabsturzes von Lynyrd Skynyrd

Falcom
VÖ: 2019

Fragwürdiges Biopic

Die Familien der überlebenden Bandmitglieder versuchten 2017 erfolglos, die Produktion dieses Spielfilms zu stoppen. Durchaus nachvollziehbar: Street Survivors ist beileibe keine Dokumentation oder gar ein Portrait der legendären Southern-Rocker, sondern fokussiert sich reißerisch auf die Geschichte ihres Schlagzeugers Artimus Pyle, der bei dem Flugzeugabsturz im Oktober 1977 die geringsten Verletzungen davontrug und hier nun selbst als Erzähler durch das Geschehen führt.

Nach Pyles Einstieg zu Beginn der siebziger Jahre werden rasch einige klischeehafte Sex- und Drogen-Exzesse abgehandelt, ehe der Film von Jared Cohn bereits nach wenigen Minuten einen Zeitsprung kurz vor das fatale Ereignis vollzieht. Schnell wird klar, dass es eine Tragödie mit Ansage war. Das Privatflugzeug der Band, das Aerosmith-Frontmann Steven Tyler kurz zuvor abgelehnt hatte, weil er die Piloten betrunken wähnte, offenbart schon beim ersten Einsatz technische Mängel, für deren Behebung sich niemand zuständig fühlt. Und so nimmt das Unheil seinen Lauf. Der Absturz ist trotz des offensichtlich eher geringen Budgets eindrucksvoll inszeniert: Als das erste Triebwerk in Flammen aufgeht, explodiert und Öl gegen die Seitenfenster spritzt, kauern sich die entsetzten Musiker in Panik in ihre Sitze, während Sänger Ronnie Van Zant (Taylor Clift) scheinbar unbeeindruckt zu einer Pulle Jack Daniels greift. Näher an die Person Van Zant kommt Street Survivors nicht — einer der großen Schwachpunkte des Films. Abgesehen von Pyle, dessen jüngeres Ich Ian Shultis verkörpert, werden alle Musiker extrem holzschnittartig abgebildet, sofern sie überhaupt Erwähnung finden.

Obwohl die Story in den Sümpfen von Mississippi eigentlich zu Ende wäre, schleppt sich die Handlung noch eine weitere Stunde mit den heroischen Bemühungen des Trommlers, die anderen Musiker zu retten, seinem Krankenhausaufenthalt und der Tatsache, dass Plattenfirma und Management den heute 71-Jährigen am Ende auf seinen Behandlungskosten sitzen lassen, eher mühselig dahin. Es ist überdies im ganzen Film kein einziger ihrer Songs zu hören. Aber wie authentisch ist ein Biopic über Lynyrd Skynyrd ohne ›Sweet Home Alabama‹ oder ›Free Bird‹? Mutmaßlich aus rechtlichen Gründen ist einzig eine kurze Sequenz aus dem von ihnen gecoverten J.J. Cale-Song ›Call Me The Breeze‹ im Film vertreten. Auch das wird dieser großen Band keinesfalls gerecht, wenngleich man Pyle seine emotionale Verbundenheit durchaus abnehmen kann. Er sei sicher, dass er seinen 30. Geburtstag nicht erleben werde, hatte ihm sein Freund nur wenige Wochen vor dem Unfall prophezeit. Ronnie Van Zant wurde nur 29 Jahre alt.

Keine Wertung
TEXT: MARKUS BARO

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