Jimi Hendrix

Machine Gun — The Fillmore East First Show 12/31/1969

Sony
VÖ: 2016

Die letzte Hymne auf die Freiheit

Um einen juristischen Alptraum zu beenden, spielt Jimi Hendrix Silvester 1969 und am Neujahrstag 1970 vier aufeinanderfolgende Shows im New Yorker Club Fillmore East, bei denen er sich nicht von der Experience begleiten lässt, sondern von der Band Of Gypsys mit Rhythmus-Kraftwerk Buddy Miles und Armee-Kumpel Billy Cox am Bass, die sehr groovebetont und funky spielen.

Aus den Mitschnitten wurde das letzte vor Hendrix’ Tod veröffentlichte Album Band Of Gypsys kompiliert, wobei der erste Auftritt weitgehend unberücksichtigt blieb und später immerhin in Auszügen auf der posthum veröffentlichten Ergänzung Band Of Gypsys II (1986) und dem Doppeldecker Live At Fillmore East auftauchte. Auf Machine Gun — The Fillmore East First Show 12/31/1969 ist das Spektakel nun in originaler Songabfolge, vollständig und in beeindruckender Qualität zu hören. Die Band Of Gypsys war eine gänzlich andere Formation als die Experience. Dementsprechend verzichtet der Meister auf bekannte Titel wie ›Stone Free‹ oder ›Foxy Lady‹ und hat seinem Gitarrenspiel eine enorme Bodenhaftung verpasst, agiert klarer, kontrollierter und eindringlicher.

›Machine Gun‹ ist das vielleicht nachhaltigste Anti-Kriegs-Statement der Rockmusik, dessen poetische Textzeilen von wütenden, elektrischen Gewehrsalven und Kanonendonner zerfetzt werden, ›Ezy Ryder‹ klingt zügellos und ist Heavy-Rock. Im emotionalen ›Hear My Train A Comin’‹ wird der Gitarrist eins mit seinem Instrument und lässt anfangs zarte, bluesige Skalen in einem orgiastischen Spielrausch explodieren. ›Power Of Soul‹, eine jubilierende Hymne, die Rock, Funk und Soul spielend leicht zusammenführt, hat Bands wie Parliament oder Living Colour nachweislich stark beeinflusst.

Aber dem einzigartigen Musiker, der sich hier von allen Zwängen befreit zeigt, hat die Band Of Gypsys doch kein Glück gebracht. Frustriert vom Gezerre hinter den Kulissen, löst er die Band kurz nach den Shows auf.

Keine Wertung
TEXT: MARKUS BARO

ROCKS PRÄSENTIERT

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