Jorn

Live On Death Road [2CD/DVD]

Frontiers
VÖ: 2019

Hardrock-Feier mit geborgten Höhepunkten

Der Titel ist so einfallslos wie folgerichtig: Life On Death Road heißt das 2017 veröffentlichte aktuelle Studio-Album des norwegischen Sängers, Live On Death Road nun die zugehörige Konzert-Aufarbeitung vom Frontiers Rock Festival vergangenen Sommer. Statt Primal Fear-Musikern wie Matt Sinner am Bass oder Gitarrist Alex Beyrodt unterstützen dabei Sid Ringsby (Bass), Tore Moren (Gitarre) und Frontiers-Hauskomponist Alessandro Del Vecchio (Keyboards) den 50-Jährigen. Das Schlagzeug — und das sieht man auch nicht alle Tage — teilen sich Beata Polak und Francesco Jovino.

Dass selbst eingefleischte Fans bei Landes unzähligen Betätigungsfeldern mitunter den Überblick verlieren können, wirkt sich nicht negativ auf die Live-Performance aus. Im Gegenteil. Mit handverlesenem Material, das seine gesamte Schaffensphase umspannt, und einer top-motivierten Begleitband im Rücken, feiert Jorn eine erstklassige Hardrock-Sause, über der permanent und ohne jede Peinlichkeit der Geist von Größen wie Rainbow, Whitesnake oder Thin Lizzy schwebt. Schon der nur mit Gesang und Keyboard vorgetragene Einstieg ›My Road‹ gerät mit einer astreinen Coverdale-Imitation beeindruckend.

Sicher: Stimmliche Parallelen zwischen Lande und dem Whitesnake-Mikroschwinger lassen sich kaum wegdiskutieren, aber warum auch? Der Mann mit dem mächtigen Organ findet souverän die Schnittstelle zwischen klassischem Hardrock, melodischem Metal und griffigem AOR und in der kräftigen Power-Ballade ›Out To Every Nation‹, der Publikumsanimation ›Walking On Water‹ oder dem satten Heavy Rocker ›Blacksong‹ auch einen vorzüglichen eigenen Stil. Einzig auf den schon etwas verschlissenen Christopher Cross-Evergreen ›Ride Like The Wind‹ hätte Lande gut verzichten und stattdessen einem Stück seines starken aktuellen Langspielers den Vorzug geben können. Ohne die obligatorische Verbeugung vor seinem großen Idol Ronnie James Dio lässt ihn das euphorische Publikum indessen nicht ziehen. ›Mob Rules‹ von Black Sabbath und Dios ›Rainbow In The Dark‹ beschließen neben dem hausgemachten Hit ›Lonely Are The Brave‹ eine auch soundtechnisch hervorragend eingefangene Show ohne nennenswerte Längen.

Keine Wertung
TEXT: MARKUS BARO

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