Joanne Shaw Taylor

Ungestillter Hunger nach dem Blues

Diese Tournee von Joanne Shaw Taylor liefert reichlich Gesprächsstoff. Zumindest nach ihrem Konzert in Köln wird angeregt über das spielerische Können ihrer Roadband, über die knappe Setlänge, vor allem aber über das distanzierte Auftreten der britischen Bluesrock-Sängerin diskutiert.

Die neueste Tournee von Joanne Shaw Taylor liefert reichlich Gesprächsstoff. Zumindest nach ihrem Konzert im Kölner Yard Club wird angeregt über das spielerische Können ihrer Roadband, über die knappe Setlänge, vor allem aber über das distanzierte Auftreten der britischen Bluesrock-Sängerin diskutiert. Gerade die seltsame Verschlossenheit der 33-Jährigen hinterlässt einen bitteren Beigeschmack, der die packenden Momente ihrer Deutschland-Konzerte in Vergessenheit geraten lassen.

Tatsächlich geht der Abend im gut gefüllten Yard Club solide, wenn auch ein wenig verhalten los. Einige kompakte, rockige Titel vom aktuellen Album Reckless Heart lassen den Funken zunächst nur bedingt überspringen; der unausgewogene Sound mit zu dominanter Hammond-Orgel und einem Schlagzeug, das hinter einer Plexiglaswand steht, erschweren den Zugang zusätzlich. Bei ›I’ve Been Loving You Too Long‹ flammt kurz ein intensives Bluesfeeling auf — Leidenschaft und Spielfreude ist in der ersten Konzerthälfte allenfalls Keyboarder Bob Fridzema anzumerken.

Als Shaw Taylor zu ›Time Has Come‹ ansetzt, ändert sich die Atmosphäre im Saal dann schlagartig: Das zehn Jahre alte Stück von ihrem Debüt White Sugar ist ein klassischer Slowblues, bei dem die Gitarristin die Gelegenheit nutzt, ihren souveränen Umgang mit dem Genre ausgiebig unter Beweis zu stellen. Ihr Gegenpart Fridzema legt hier ein frenetisches Solo vor und versetzt die Zuschauer in Staunen; Shaw Taylor legt noch einmal drauf und füttert ihr blueshungriges Publikum minutenlang mit solistischen Leckerbissen.

Das laute Jubeln bei ›Time Has Come‹ schreit geradezu nach weiteren Bluessongs dieser Art. Stattdessen liefern sie knackige Versionen von ›Mudhoney‹, ›Going Home‹ und weitere rockige Highlights ihres Schaffens — eine handwerklich saubere Arbeit, an der grundsätzlich nichts auszusetzen ist. Nur: wer einmal Blues leckt, der will noch mehr.

 

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