Megadeth

Dystopia

Universal
VÖ: 2016

Musikalisch hat es sich Dave Mustaine in einer komfortablen Ecke gemütlich gemacht. Anders als die meisten seiner Kollegen hat der Rotschopf seine Anhänger nie wirklich vor den Kopf gestoßen. Über Risk mag 1999 diskutiert worden sein, weil sich die Band kurzzeitig von damals modernen Sounds beeinflussen ließ, doch im Vergleich zum großen Bruder Metallica sind Megadeth ihrem klassischen Stil im Laufe ihrer über dreißigjährigen Karriere weitgehend treu geblieben. Dass dabei zuletzt eine Menge ordentlicher, aber selten begeisternder Platten fabriziert wurden, hat dem Status der Band keinen Abbruch getan — einen frischen, mitreißenden Überflieger schafft schließlich kaum eine Gruppe mehr, die so lange im Geschäft ist.

Wie es Mustaine nun mit seinem 15. Studioalbum gelungen ist, seine Bequemlichkeit abzulegen und die Aggressivität, Spielfreude und Klasse der ersten Band-Dekade aufleben zu lassen, kann wohl nicht einmal der 54-Jährige selbst erklären. Es mag mit der einmal mehr runderneuerten Besetzung zu tun haben, die durch Schlagzeuger Chris Adler (Lamb Of God) und Gitarrenvirtuose Kiko Laureiro (Angra) verstärkt wurde. Es mag am aufgeheizten politischen Klima in seiner US-amerikanischen Heimat (und anderswo) liegen, das den an eine große Weltverschwörung glaubenden Mustaine angepisst zu Höchstleistungen treibt. Oder schlicht der Tatsache zu danken sein, dass Megadeth länger als üblich an den neuen Stücken gearbeitet haben. Das Ergebnis spricht jedenfalls für sich.

›Death From Within‹ und das rasante ›Fatal Illusion‹ transportieren mit wahnwitziger Gitarrenarbeit das gleiche Flair, das in den Gründerjahren auf Killing Is My Business… (1985) und Peace Sells… (1986) zu finden war, ›The Threat Is Real‹ ist technischer Speed Metal, der an Rust In Peace (1990) erinnert, und mit ›Dystopia‹ ist endlich wieder ein aufgeräumtes Titelstück vertreten, das mit seiner melodiösen Hookline und famosen Soli als Aushängeschild dienen kann. Imposant ist, dass Dystopia dabei nie zu einer konstruierten Kopie der eigenen Vergangenheit wird. Mustaine hat es schlichtweg geschafft, innerhalb seines eigenen, längst definierten Stils großartige Songs zu schreiben, die dem eigenen Vermächtnis absolut standhalten.

(8.5/10)

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