The Skull

Vitalität im Schädel

The Skull tragen das Feuer der Doom Metal-Institution Trouble weiter. Auf ihrem Debüt For Those Which Are Asleep lassen es die Amerikaner in neuer Herrlichkeit aufflammen.

Das Quintett hat die Uhren zurückgedreht. Stilistisch wildern The Skull in jener Ära, in der Trouble mit Alben wie Psalm 9 (1984) oder The Skull (1985) für Aufsehen sorgte. Die Legitimation sind die beteiligten Musiker selbst: Denn mit Sänger Eric Wagner, Bassist Ron Holzer und Schlagzeuger Jeff Olson sind drei Mitglieder bei The Skull am Werk, die über viele Jahre hinweg das Schaffen der Band aus Chicago gestarteten Trouble entscheidend mitprägten.

Gerade Wagner verkörpert für viele Genre-Anhänger den Inbegriff des Doom Metal-Sängers. »Offenbar haben wir mit unserer Arbeit wirklich einige nachgewachsene Musiker beeinflusst«, gibt sich der Frontmann bescheiden. »Mit Komplimenten junger Kollegen konnte ich lange Zeit überhaupt nicht umgehen und habe Witze darüber gemacht. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie in uns das gleiche sehen, wie wir damals in Ozzy oder Tony Iommi. Mittlerweile bin ich aber schon ein bisschen Stolz darauf, wenn ich erkenne, dass sich Songs junger Bands auf uns beziehen.«

Die drei Recken rufen The Skull vor rund zweieinhalb Jahren gemeinsam mit den beiden Gitarristen Lothar Keller und Michael Carpenter ins Leben. Eigentlich nur aus dem Grund, Konzerte spielen zu können. Auftritte, bei denen vornehmlich Material zum Zuge kommen soll, das Trouble selbst seit vielen Jahren nicht mehr im Live-Programm haben. Mittlerweile wurde Carpenter von dem früheren Pentagram-Klampfer Matt Goldsborough abgelöst und das Ressort der Gruppe erheblich ausgedehnt. »Eins kam zum anderen, die Sache hat sich praktisch verselbständigt«, sagt Eric Wagner. »Wir haben uns wie alte Säcke gefühlt, denen plötzlich ein neuer Geist eingehaucht wird. Unsere Konzerte haben uns animiert, Neues auszuprobieren.«



Im April dieses Jahres veröffentlicht die Band ihre erste Single. Laut Stimmbandakrobat Wagner ist ›Sometime Yesterday Mourning‹ das perfekte Bindeglied zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Ein Lied über die Erkenntnis, Geschehenes hinter sich lassen zu müssen, um die Zukunft genießen zu können. Dass sie außerdem, quasi als B-Seite der Veröffentlichung, mit ›The Last Judgement‹ eine Neueinspielung des ersten jemals offiziell erhältlichen Trouble-Songs präsentieren, ist ein gelungener Schachzug. »Die Zusammenfassung der Startpunkte«, schmunzelt Wagner. »›The Last Judgement‹ ist 1983 auf dem vierten Teil der Sampler-Reihe Metal Massacre erschienen, war aber nie Bestandteil eines Trouble-Albums. Für Novizen also eine prima Gelegenheit, unsere Ursprünge kennenzulernen, und für eingefleischte Fans ein nettes Wiederhören.«

Über ein solches durften sich die Anhänger auch am 29. August 2014 in Montreal freuen. An dem Tag zelebrierten The Skull im Verlauf des Wings Of Metal-Festivals das dreißigste Jubiläum des Trouble-Debüts Psalm 9. Der Abend wird auch den Musikern in guter Erinnerung bleiben, wie Eric Wagner bestätigt. »Darüber zu sprechen, beschert mir noch immer eine Gänsehaut. Wir haben das Album in einem Rutsch durchgespielt. In einem zweiten Set haben wir dann ältere, aber nicht von Psalm 9 stammende Lieder gebracht und dazu einige aktuelle Songs von The Skull. In der Halle hat es förmlich gebrodelt!«



Dass das Gitarrendoppel Keller/Goldsborough dazu im Stande ist, beide Welten problemlos zu vereinen, beweist die neue Scheibe For Those Which Are Asleep mit Nachdruck. Die Klangwände, die sie in dem voluminösen Start ›Trapped Inside My Mind‹, dem wütenden ›Send Judas Down‹ oder dem Groove-betonten ›Till The Sun Turns Black‹ errichten, stehen dem Spiel des Trouble-Gespanns Bruce Franklin und Rick Wartell in nichts nach.

Wagner differenziert dennoch zwischen den Parteien. »Bruce und Rick spielen seit dreißig Jahren zusammen, sie verstehen sich blind. Die Art der beiden, mit diesen brettharten, signifikanten Riffs zu hantieren, lässt sich nicht lückenlos reproduzieren. Die beiden dürfen daher ohne den geringsten Zweifel behaupten, das Original zu sein. Aber unsere heutigen Mitstreiter sind ihnen dicht auf den Fersen.«

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