Thorbjørn Risager & The Black Tornado

Mitgefühl und Menschlichkeit

Auch wenn die Umsetzung seiner Musik gewohnt modern erfolgt: So traditionell wie auf Come On In klangen Thorbjørn Risager & The Black Tornado lange nicht mehr. Seine um Bluesrock und Soul herumswingenden Lieder versteht der Bandleader als Einladung, die Tristesse des Alltags mit anderen zu teilen.

Laut Jazzlegende Duke Ellington gibt es ein erprobtes Mittel, um eine Gruppe von Musikern dauerhaft zusammenzuhalten: Man muss sie bezahlen. Ob Thorbjørn Risager das auch so pragmatisch sieht? Immerhin kann der Bandleader aus Kopenhagen auf eine bemerkenswerte Konstanz in der Besetzung seiner sieben Mann starken Truppe zurückschauen, die 2003 als Thorbjørn Risager Blue 7 gegründet wurde.

Seither ziehen die heutigen Mitglieder an einem Strang: Keyboarder Emil Balsgaard, ein kecker Meister des Boogie-Woogie, der charismatische Drummer Martin Seidelin, Bassist Søren Bøjgaard, ein ruhiger Zeitgenosse, der hinter den Kulissen und nicht zuletzt als Produzent der neuen Scheibe großen Einfluss hat, sowie die Bläsergruppe mit Peter Kehl, Hans Nybo und Kasper Wagner. Jeder von ihnen bestimmt mit pointiertem Spiel und markantem Auftreten das Gesamtbild entscheidend mit. Die Umbenennung in Thorbjørn Risager & The Black Tornado vor sechs Jahren sollte daher deutlich machen, dass es sich um eine echte Band und nicht bloß einen Sänger mit Begleitmusikern handelt.

»Dass ich mich seit 16 Jahren auf dieselben Musiker verlassen kann, ist ein großes Glück«, meint ein zufriedener Risager, der als Sänger, Gitarrist und Songwriter bis heute die treibende Kraft bleibt. »Dass wir uns dabei immer weiter nach oben gekämpft haben, dafür bin ich ebenso dankbar. Wir erreichen in immer mehr Ländern immer mehr Menschen. Das gibt uns Kraft und macht uns neugierig. Wie weit können wir noch gehen? Wo treten wir als nächstes auf? Die musikalische Entwicklung verlieren wir natürlich nie aus dem Auge. Mit jedem Album gehen wir einen Schritt weiter und werden durch die gesammelte Erfahrung im Studio immer besser.«



Einen Wechsel hat es in seinem Kader dennoch gegeben: Anstelle des langjährigen Lead-Gitarristen Peter Skjerning ist Joachim Svensmark zum Black Tornado gestoßen. »Wir kennen Joachim seit ungefähr 15 Jahren. Er war damals erst 14 und galt im Kopenhagener Mojo Bluesclub als eine Art Wunderkind«, erzählt Bassist Bøjgaard. Ihr Neuzugang, der zusätzlich zur Gitarre auch mit Keyboards und Chorgesang zum neuen Album beiträgt, sprang gelegentlich für Skjerning bei Konzerten ein, bevor er dessen Rolle schließlich ganz übernahm. »Er ist musikalisch sehr offen und hat oft gute Ideen für Songarrangements«, lobt Bøjgaard.

Svensmark fügt sich in ein Team ein, in dem jeder mit anpackt. »Wir sind halt gut organisiert«, fasst Thorbjørn Risager das harmonische Zusammenleben seiner Band zusammen. »Jeder übernimmt seine Aufgaben, keiner handelt aus Eigensinn. Jeder ist kompromissbereit.« Selbstverständlich gibt es bei ihnen Meinungsverschiedenheiten. Die Konflikte lassen sich aber meist friedlich lösen, und zwar durch eine gute Chemie, die letzten Endes noch wichtiger ist als das liebe Geld. »Ja, die ist sehr wichtig«, betont Risager. »Wir sind über die Jahre echte Freunde geworden.«

Gewiss durchleben auch Freunde als tourende Band Höhen und Tiefen, doch Risager und seine Kollegen sind mittlerweile routiniert und zielgerichtet unterwegs. »Wir haben gelernt, wann man nein sagen sollte«, erläutert er. »Wenn du jung bist und ambitioniert, bist du für jeden Job dankbar, egal, wie weit der Weg oder wie niedrig die Gage ist. Du gibst dich mit beschissenem Essen und schlechter Unterkunft zufrieden. Doch irgendwann hast du keinen Bock mehr darauf, weil die schlechten Bedingungen mit der Zeit das gute Miteinander versauen.«

Ebenso wichtig wie die Beziehungen innerhalb der Band ist für ihn das Verhältnis zwischen ihnen und dem Publikum. Darum habe er mit der aktuellen Veröffentlichung Come On In eine Platte machen wollen, die Mitgefühl und Menschlichkeit verströmt. »Der Titel soll das Hauptthema des Albums spiegeln: Ihr seid bei uns willkommen, wir laden jeden ein, mit uns eine Party zu feiern«, erklärt Risager. »Dabei ist es aber völlig okay, normale menschliche Gefühle wie Trauer oder Melancholie zu zeigen. Jeder von uns hat Sorgen. Die Musik bietet uns die Möglichkeit, mit anderen zusammenzukommen und diese schweren Gefühle von ihnen mittragen zu lassen. Das ist gerade das Tolle an Musik.«



Der Sound von Come On In ist typisch für Risager und breitgefächert mit swingenden Elementen aus Jazz und Soul verziert, doch das traditionelle Bluesschema ist häufiger anzutreffen, als es bei den letzten Scheiben der Dänen der Fall war.

»Ich liebe den guten alten Zwölf-Takte-Blues, von mir aus könnten wir ihn öfter spielen«, schmunzelt Risager. »Die anderen in der Band sorgen zum Glück dafür, diese traditionellen Songs zeitgemäß umzusetzen, was uns hilft, aus der Masse der heutigen Bluesbands herauszustechen. Es gibt eine ganze Reihe eher melancholischer Songs, die wohl meinen seelischen Zustand beim Schreiben widerspiegeln«, so der Bandleader. »Mein Ziel war es, den Hörer auf eine tiefe Gefühlsebene hinzuführen, die er im viel beschäftigten Alltag womöglich verdrängt. Gerade die Oberflächlichkeit der sozialen Medien schafft bei vielen das Bedürfnis, intensive Emotionen und einen stärkeren Gemeinschaftssinn zu erleben. Ob man sie nun live hört oder auf Platte, diese zehn Songs sollen jedem das Gefühl vermitteln: Du bist nicht alleine.«

Bassist Søren Bøjgaard, der bei den Aufnahmen als Produzent tätig war, favorisierte dabei eher minimalistische Arrangements. »Nach dem Motto „back to basics“ haben wir bei den meisten Stücken zunächst nur die akustische Gitarre und den Gesang von Thorbjørn aufgenommen«, erklärt er. »Dazu kam nur das Nötigste. Der jeweilige Song stand immer im Mittelpunkt, die Keyboards und die Bläser haben wir diesmal subtil eingesetzt.«

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