Wilko Johnson/Roger Daltrey

Going Back Home

Chess
VÖ: 2014

Das finale Vermächtnis

Es ist nahezu unmöglich, vom Schicksal des früheren Gitarristen der Pub-Rock-Pioniere Dr. Feelgood unberührt zu bleiben: Anfang 2013 wurde bei Wilko Johnson fortgeschrittener Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert — doch anstatt sich einer Behandlung zu unterziehen, zog er es vor, die ihm verbleibenden Monate zu nutzen, um seinen Fans auf einer allerletzten Club-Tournee Lebewohl zu sagen.

Im November ging er dann mit Roger Daltrey von The Who ins Studio, um diese wunderbare Platte einzuspielen: ein altmodisches, britisches Rhythm’n’Blues-Album, auf dem das Duo Stücke von Wilko Johnson interpretiert, die aus seiner Zeit mit Dr. Feelgood, den Solid Senders und aus seiner Solo-Phase stammen. Nach rührseligem Abschied klingt hier gar nichts — die zuweilen kräftig durchgebürsteten Neufassungen strotzen nur so vor Saft und Kraft und Lebenswillen.

Famos, wie Daltrey im schmatzenden ›Ice On The Motorway‹, in ›Sneakin’ Suspicion‹ oder im famosen Dylan-Cover ›Can You Please Crawl Out Your Window‹ mit verhältnismäßig tiefer Stimme kräht und knödelt, immer mit so viel Druck und jugendlichem Schnodder, dass es zuweilen ein bisschen an den späten David Johansen (New York Dolls) erinnert. Verdienen will der Sänger nichts an dieser wundervollen Scheibe: Seine Tantiemen wird er einer Krebs-Stiftung für Teenager zuführen.

(8.5/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

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