ZZ Top

Dusty Hill (1949-2021)

Über fünfzig Jahre lang war sein lässiges Bassspiel das Scharnier zwischen Schlagzeuger Frank Beard und Gitarrist Billy Gibbons bei ZZ Top. Am 27. Juli ist Dusty Hill im Schlaf verstorben.

So schmerzhaft und schwer zu begreifen der Tod ihres Compadre auch sei: Das Ende ihrer Bluesrock- und Boogie-Combo bedeute dies nicht zwangsläufig, so Gibbons in einer knappen Stellungnahme. »Bevor Dusty ging, hat er meinen Arm gegriffen und gesagt: Let the show go on! Er hat das ernst gemeint. Und bei allem Respekt: Wir werden alles tun, um das hier durchzustehen und seinen Wunsch zu ehren.«

Geboren wurde Dusty Hill, eigentlich hieß er Joseph Michael Hill, am 19. Mai 1949 im texanischen Dallas. In der Highschool spielte er zunächst noch Cello, bis ihn sein älterer Bruder John Rockford „Rocky“ Hill mit dem Blues-Virus infizierte und er an den Bass wechselte. Gemeinsam spielten sie in verschiedenen Bluesrock-Formationen, die schließlich als Begleitensembles für Bluesgrößen wie Freddie King und Lightnin’ Hopkins auftraten.

Aus diesen Gruppen formierte sich in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre die psychedelische Bluesrockband American Blues, zu der auch der spätere ZZ Top-Schlagzeuger Frank Beard sowie Keyboarder Doug Davis gehörten: Ihre LPs Is Here und Do Their Thing erschienen beide 1968. Auf letzterer ist Hill auch als Leadsänger zu hören.

Kurze Zeit später verließ die Band Dallas und siedelte um nach Houston, wo sie sich kurze Zeit später trennte: Rocky Hill schwebte eine blueslastigere Ausrichtung vor, Dusty stand der Kopf nach deutlich mehr Rock. Während der ältere Hill-Bruder als Solomusiker weiterzog, schloss sich Dusty gemeinsam mit Frank Beard einer Combo an, die sich erst kurz zuvor aus den Moving Sidewalks entwickelt hatte — und gerade bloß aus dem Gitarristen Billy Gibbons bestand: ZZ Top.

Schon auf ihrem Einstand ZZ Top’s First Album fanden sich 1971 alle Soundelemente, die das Trio in seiner ersten Bandphase bis 1977 auf Werken wie Tres Hombres (1973) und dem halb Studio-, halb Live-Album Fandango! (1975) perfektionieren sollte: staubiger, mit demonstrativer Lässigkeit vorgetragener Texas-Bluesrock mit Boogie- und Hardrock-Geschmacksnoten, der frühe Radiohits hervorbrachte wie ›La Grange‹ (Tres Hombres), einer Hymne auf ein Freudenhaus namens Chicken Ranch, oder ›Tush‹ (Fandango!). Höhepunkt dieser Phase war die World Texas Tour, bei der ZZ Top 1976/1977 einen ganzen Wanderzirkus nebst lebendigem Texas-Getier im Schlepptau hatten.



Nach dieser kräftezehrenden Rundreise gönnte sich die Band eine zweijährige Pause. Sowohl Billy Gibbons als auch Dusty Hill ließen sich in dieser Zeit unabhängig voneinander ihre ikonischen Rauschebärte wachsen, die das Bild der Little Ol’ Band from Texas in den kommenden vier Jahrzehnten ebenso prägen sollten wie die Sonnenbrillen und die Stetson-Hüte, ohne die die beiden fortan nicht mehr in die Öffentlichkeit gingen.

Waren ZZ Top bis zu diesem Zeitpunkt vor allem ein US-amerikanisches Phänomen, schafften sie ausgehend von der Rockpalast-Nacht am 19. April 1980, ihrem ersten Live-Auftritt im europäischen Fernsehen, auch in der alten Welt sukzessive den Durchbruch.

Ihr kommerzieller Höhepunkt wurde Eliminator (1983), auf dem sie ihren Bluesrock mit Synthesizern und tanzbaren Rhythmen anreicherten und das sich allein in Deutschland über 750.000 mal verkaufte — kein Wunder, befinden sich doch mit ›Gimme All Your Lovin’‹, ›Sharp Dressed Man‹, ›Legs‹ und ›Got Me Under Pressure‹ gleich vier ihrer erfolgreichsten Singles auf der LP.

Nach tieferen Ausflügen in Synthi- und Pop-Rock-Gefilde kehrte das Trio ab Antenna (1994) sukzessive zu seinem urigen Sound-Ursprung zurück. Im neuen Jahrtausend konzentrierte sich die Band auf Live-Konzerte, wurde 2004 in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und veröffentlichte in La Futura zuletzt 2012 ein Studio-Album.

Auch im Juli 2021 waren ZZ Top wieder auf US-amerikanischen Bühnen unterwegs, als die Band mitteilte, dass Dusty Hill aufgrund von Hüftproblemen nach Texas zurückgekehrt sei, um sich auszukurieren. Eine Woche später starb er im Alter von 72 Jahren.


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