Angel

Sinful

Rock Candy
VÖ: 2019

Am eigenen Image gescheitert

Dass sich Angel 1974 gegen ein Angebot von Capitol entschieden und stattdessen lieber einen Vertrag von Casablanca Records unterschrieben, mag auch damit zu tun gehabt haben, dass ihnen dort künstlerische Narrenfreiheit zugesichert wurde. Vor allem aber schien sich Firmenboss Neil Bogart gut mit außergewöhnlichen Gruppen und überzeichneten Cartoon-Images auszukennen: Als engelhafte, grellweiß gewandete Ritter des Pomp-Hardrock schienen sie den perfekten und einen visuell auffälligen Gegenpol zu den Label-Kollegen Kiss abzugeben. Dass sie nach zwei amtlichen Alben zwischen amerikanischem Siebziger-Hardrock und Prog-Splittern (Gregg Giuffria schöpfte in seiner Tastenburg aus einem stattlichen Arsenal an Orgel-, Mellotron- und Synthesizer-Sounds) bald die Herrschaft über ihr Glam-taugliches Image verlieren würden, traf sie ebenso überraschend wie der Hohn, der ihnen plötzlich entgegenschwappte: Frank Zappa etwa drängte es danach, Angel und speziell Gitarrist Punky Meadows in ›Punky’s Whips‹ zu parodieren.

Das famose Logo, das ihnen 1977 für ihre von Eddie Kramer produzierte dritte Platte On Earth As It Is In Heaven entworfen wurde (um 180 Grad gedreht, bleibt es unverändert), war das letzte wirklich clevere Manöver ihrer Plattenfirma. Mit der gezeichneten Plattenhülle von White Hot (1978) waren Angel bereits zur Karikatur geworden; das kurz nach der Auslieferung erster Exemplare von Bad Publicity in Sinful (1979) umgetaufte letzte Studiowerk ihrer relevanten Kernphase machte die New Yorker mit einem brutal weichgezeichneten Plüschfummel-Cover zum Gespött.

Verdient hat das ihre Musik keinesfalls. Ihr bis zum letzten Atemzug mit avantgardistischen Spitzen durchzogener Sound mag nach 1977 massenkompatibler geworden sein — das stärker herausgearbeitete Power-Pop-Element ihres zwischen Styx, Boston, Piper und Kiss changierenden Pomp-Hardrock stand ihnen aber ganz ausgezeichnet. Und die jungen Stryper dürften sich die Chorarrangements auf Sinful ganz besonders aufmerksam angehört haben. Live Without A Net (1980) wirkt als Konzert-Album allerdings etwas schrullig. White Hot und Sinful bekamen jeweils zwei Bonustracks spendiert, wobei letztere Scheibe in ›Virginia‹ einen der beiden Songs vom Soundtrack des Kinofilms Foxes (deutsch: Jeanies Clique) mit Jodie Foster und Cherie Currie angehängt bekam: Eine weitere Episode ihrer Karriere, an der die mittlerweile reformierte Band kein gutes Haar lässt.

Keine Wertung
TEXT: DANIEL BÖHM

ROCKS PRÄSENTIERT

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