Greg Dulli

Random Desire

BMG
VÖ: 2020

Ambivalente Geschichten in intensiver Atmosphäre

Schon seit dreißig Jahren verschiebt der Sänger der Afghan Whigs die Grenzen von Indie-Rock und düsterem Blue Eyed Soul: gitarrenorientiert im Verbund mit den Whigs, elektronisch angehaucht bei den Twilight Singers, abgründig mit Mark Lanegan als Gutter Twins und bereits 2005 leichtfüßig auf Greg Dulli’s Amber Headlights. Letzteres sei jedoch nur eine Sammlung loser Songideen gewesen, weshalb Random Desire nun als sein erstes offizielles Solo-Album zählt. Musikalisch klingt das, knackige 37 Minuten lang, sanfter und aufbauender als alles Bisherige aus der Feder des Sängers. Geschrieben hat er alle zehn Songs alleine, für die Aufnahme griff er aber auf Kollegen wie Afghan Whigs-Gitarrist Jon Skibic zurück.

Eine gute Entscheidung, denn sie bewahren die Songs erfolgreich vor Eindimensionalität. Meist bildet ein Piano die Grundlage und den Wegweiser durch die Stücke, um das sich Gitarre, Bass, ein Schlagzeug, mal Streicher, mal Bläser orchestrieren und sich häufig zu einem dramatischen Höhepunkt hochkitzeln (›The Tide‹, ›Scorpio‹). Dazwischen flirren verfremdete, atmosphärische Synthesizerklänge — mal ruhig, mal geheimnisvoll oder aufgebracht. Die zynische Aggressivität der Afghan Whigs ersetzt Dulli durch eine positivere Grundstimmung, die ambivalenten Text-Geschichten verlieren dadurch aber keinen Deut an Intensität. Random Desire ist ein ausgereiftes Statement, das Dullis Werk um eine weitere Nuance bereichert.

(8/10)
TEXT: AGI RASCHKA

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