Jane Lee Hooker

Fünf Freundinnen im Spielrausch

Es erfordert Mut, eine Bühne zu betreten, ohne den Ablauf bis ins kleinste Detail geplant zu haben. Die fünf Musikerinnen von Jane Lee Hooker, einer aufstrebenden Frauencombo zwischen Rhythm'n'Blues, Punk- und Classic-Rock, verkneifen sich diesen Spaß nicht.

Bonn, Harmonie: Es erfordert Mut, eine Bühne zu betreten, ohne den Ablauf bis ins kleinste Detail geplant zu haben. Die fünf Musikerinnen von Jane Lee Hooker, einer aufstrebenden Frauencombo zwischen Blues, Punk und Classic-Rock, verkneifen sich diesen Spaß nicht. Allabendlich erlauben sich die New Yorkerinnen Raum fürs Spontane, was sie neben ihrer schier unerschöpflichen Energie zu einem mitreißenden Erlebnis macht.

Damit das Ganze nicht in Chaos endet, muss das rhythmische Rückgrat stehen: Bassistin Mary „Hail Mary“ Zadroga und Trommlerin Melissa „Cool Whip“ Houston zeigen sich in der gut gefüllten Bonner Harmonie in Bestform. Die Songs, die dank ihres Tuns über ordentlich Wumms verfügen, sind zunächst gut strukturiert, öffnen sich in bester Jam-Rock-Manier nach einigen Minuten und stellen dann das von Lynyrd Skynyrd und Thin Lizzy inspirierte Gitarren-Tandem aus Tracy Hightop und Tina „T-Bone“ Gorin in den Vordergrund. Die beiden gehen gespannt in die Solo-Passagen, bewegen sich aufeinander zu und suchen den Austausch, jede auf ihre Art: Hightop recht forsch und selbstbewusst, Gorin eher bedacht und filigran. Nur selten fällt das Zwiegespräch flach; in der Regel entsteht zwischen den beiden ein spannendes Geben und Nehmen.

 

Charismatischer Mittelpunkt des Quintetts ist zweifellos Sängerin Dana „Danger“ Athens, die den schwierigen Spagat schafft, als quirlige und äußerst ausgelassene Frontfrau ihre Kolleginnen nicht ins Abseits zu drängen. Wie ein weiblicher, junger Robert Plant geht das Energiebündel frontal aufs Publikum zu und führt durch ein Programm, das abwechselnd aus raubeinigen Eigengewächsen der aktuellen Scheibe Spiritus und modifizierten Bluesklassikern vom Debüt No B! besteht. Ob lässig (›Later On‹) oder mit Überschallgeschwindigkeit (›Mean Town Blues‹), ob traditionell bluesig (›Champagne & Reefer‹), gradlinig rockig (›Be My Baby‹) oder von Gospel angehaucht (›Didn’t It Rain‹) — die Zuschauer begeistern sich gleichermaßen. Der Spielfreude von Jane Lee Hooker kann man sich nur schwer entziehen.

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