Kingdom Come

Classic Album Collection

Pop Others
VÖ: 2019

Classic Album Collection ist ganz sicher nicht die hübscheste aller Neuauflagen, die es bislang von Kingdom Come gegeben hat. Ihr Reiz ist rein praktischer Natur: Für knapp 20 Euro gibt’s in dieser Schachtel die ersten drei zwischen 1988 und 1991 erschienenen Alben der deutsch-amerikanischen Band um Sänger Lenny Wolf, die in ihrer Frühphase hysterisch als Led Zeppelin-Kopie verschrien wurde.

Allen (stimmlichen) Anlehnungen zum Trotz sind und bleiben gerade die ersten beiden Platten von Kingdom Come ganz besonders herausragende Exponate des Hardrock der späten Achtziger. Das Debüt vereint unsterbliche Hymnen (›Livin’ Out Of Touch‹), groovende Riff-Coolness (›17‹), in Wucht verpackte Dramatik (›Pushin’ Hard‹) und einen unterkühlten Grundtenor. Auf dem Nachfolger In Your Face lässt Produzent Keith Olsen die Band 1989 dramatischer, leidender und bis ins Mark amerikanisch klingen: Das stürmische ›Do You Like It‹ mit seinem effektiven Riff und auch ›Who Do You Love‹ sind ebensolche Highlights wie das durchstampfende ›Stargazer‹, in dem sich eine latente The Cult-Note untermischt. ›Gotta Go (Can’t Wage A War)‹ steht Great White bedeutend näher als dem britischen Bleizeppelin — ›Mean Dirty Joe‹ hingegen geht nur mit einigem guten Willem noch als freche Hommage durch.

Als das dritte Album Hands Of Time ansteht, kommt Wolf seine Band abhanden: Unterstützt von Gastmusikern wie Gitarrist Blues Saraceno, macht der Sänger im Studio nun fast alles selbst. ›I’ve Been Trying‹ reizt mit mittelalterlich anmutenden Folk-Adaptionen und schwerem Rhythmus; ›Stay‹ umarmt AC/DC. Die kalten Keyboardschwaden und beinahe stoischen Grooves, die Lieder wie ›Both Of Us‹ und besonders das überragende ›Should I‹ bestimmen, werden als Stilmittel auf den Folgewerken immer wichtiger.

Dass das Schlagzeug zuweilen nach Drum-Computer klingt, irritierte 1991 weitaus stärker als heute. Alle CDs stecken in schlichten Kartonstecktaschen und haben einige wenige Bonus-Stücke geladen, die einst Single- und Maxi-B-Seiten abgaben; die besten sind Live-Nummern und auf In Your Face zu finden. Ein Booklet mit umfassenden Linernotes liegt ebenfalls bei.

Keine Wertung
TEXT: DANIEL BÖHM

ROCKS PRÄSENTIERT

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