Magna Carta Cartel

Kurz, aber stimmungsvoll

2008 gründeten die drei Freunde Martin Persner, Simon Söderberg und Tobias Forge im südschwedischen Linköping mit zwei weiteren Mitstreitern Magna Carta Cartel. Von ihrer EP Valiant Visions Dawn sowie dem folgenden Langspiel-Debüt Goodmorning Restrained nahm trotz einer hochatmosphärischen, teilweise rein instrumentalen Mischung aus Film-Soundtrack und verträumtem Alternative Rock kaum jemand Notiz.

Der große Erfolg kam ab 2010 mit ihrer nächsten Band Ghost, was nach einigen Jahren in ein tiefes Zerwürfnis mit Kreativkopf Forge (alias Papa Emeritus und Cardinal Copia) mündete, der die maskierte Formation seither als Soloprojekt führt. Nach seinem Ausstieg 2016 rief Gitarrist Persner, einer der anonymen „Nameless Ghouls“ und gelegentlicher Ko-Songwriter bei Ghost, die oft zu MCC abgekürzten Magna Carta Cartel ohne Söderberg, aber mit den einst ebenfalls beteiligten Pär Glendor (Bass) und Arvid Persner (Schlagzeug) erneut ins Leben; 2017 meldete sich die Gruppe mit der EP The Demon King offiziell zurück.

Im Frühherbst 2018 absolvierte sie ihre erste Europa-Tour, die sie für drei Shows auch nach Deutschland führte. Von der immensen Popularität des Namens Ghost kann die Band bislang aber nur bedingt profitieren: Das Kölner Luxor ist Anfang Oktober mit geschätzt etwas über hundert Zuschauern lediglich zu einem Viertel gefüllt. Pünktlich um zwanzig Uhr betreten zunächst die Dänen Demon Head die Bühne, die mit ihrer Mischung aus Siebziger-Okkult-Rock und Doom Metal durchaus zu gefallen wissen.

Magna Carta Cartel merkt man anschließend die mangelnde Live-Erfahrung an. Gerade Martin Persner scheint sich noch daran gewöhnen zu müssen, ohne die Ghost-Maskerade auf der Bühne den Frontmann zu geben, und kann ein gewisses Maß an (durchaus sympathischer) Nervosität nicht verbergen. Seine gedämpfte, auf Platte meist mit Effekten leicht verfremdete Stimme fungiert auch im Konzert-Kontext mehr als zusätzlich eingebettetes Instrument denn als vollwertiger Gesang. Seltsam, dass die Band keinen Keyboarder engagiert hat und diese Parts komplett aus der Konserve kommen.

Immerhin steht Persner mit ihrem Produzenten Niels Nielsen ein zweiter Gitarrist zur Seite, der in Stücken wie dem Spaghetti-Western-Flair verströmenden ›Sunsettlers‹, dem Pink Floyd nicht unähnlichen ›Valiant Visions Dawn‹ oder dem ungewohnt beschwingten, offenkundig von Tom Petty beeinflussten ›The Sun And The Rain‹ (eine brandneue Komposition) mit hallgetränkten Licks für einen hypnotischen Sog sorgt. Allerdings ist der sehr stimmungsvolle Auftritt nach nur sechzig Minuten bereits zu Ende.


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