Sons Of Apollo

Genuss mit Stolpersteinen

Ganz gleich, mit welcher Band Mike Portnoy um die Häuser zieht, die Clubs sind gerammelt voll. Es hätte schwer beunruhigt, wenn dies ausgerechnet bei der ersten Tournee der Sons Of Apollo anders gewesen wäre.

TEXT: DANIEL BÖHM

Den Schlagzeuger mit Keyboarder Derek Sherinian rund zwanzig Jahre nach ihrer viel zu kurzen gemeinsamen Zeit bei Dream Theater wieder zusammen in einer Band spielen zu sehen, ist schließlich schon aufregend genug — Sänger Jeff Scott Soto, Gitarrist Ron „Bumblefoot“ Thal und der hochgeschätzte Bassvirtuose Billy Sheehan machen diese Allianz nur noch interessanter, deren Musiker in progressiven Gefilden ebenso zuhause sind wie im Hardrock.

2017 gelang ihnen mit Psychotic Symphony ein relativ zugängliches Prog-Metal-Feuerwerk, das mit tragfähigen Songs, vielen liebgewonnenen (Tasten-)Sounds und starken Melodien aufwartete und die hochgesteckten Erwartungen an diesen hochsympathischen Supertrupp uneingeschränkt erfüllte. Und auch bei diesem letzten Konzert ihrer Europa-Tournee steht eine Band auf der Bühne, die nicht den kleinsten Zweifel daran aufkeimen lässt, dass ihnen ihr Tun höllischen Spaß bereitet.

Neckisch pfropft Portnoy während seines Spiels einen Drumstick nach dem anderen in die Deckenverkleidung des bis auf den letzten Platz gefüllten Luxor, während Thal (bis 2014 acht Jahre lang bei Guns N’ Roses) mit großer Freude sein doppelhalsiges Instrument mit aufgesetzten, farbig blinkenden LED-Leuchten durch die Gegend trägt und Hardrocker Soto keinen Hehl daraus macht, dass er am liebsten jeden einzelnen im Auditorium mit einer Umarmung begrüßt hätte. Diejenigen eingeschlossen, die nur einen Platz links neben der Bühne ergattern konnten und deren Sicht komplett blockiert ist; ausverkaufte Konzerte sind in dem schlauchartigen Club grundsätzlich eine Nervenprobe.



Ihr Repertoire umfasst das komplette Album in veränderter Abfolge, was dem Abend besonders zu Beginn einige Längen beschert. Das erhabene ›Coming Home‹ wirkt auf Platte nach dem extralangen Opener ›God Of The Sun‹ einfach Wunder; heute gilt es, an zweiter Stelle das ruppige, mit ausladender Frickelei gelängte ›Signs Of The Time‹ zu überstehen, ehe mit ›Just Let Me Breathe‹ eine erste Interpretation vom verkannten Dream Theater-Album Falling Into Infinity zu genießen ist. Später folgt in ›Lines In The Sand‹ noch eine viel bessere.

Nicht nur manche zu großzügig ausgefochtene Instrumentalschlacht erweist sich als Stolperstein im Fluss des Konzerts. Auch die vielen Worte, die Portnoy und Soto abwechselnd ans Publikum richten, rauben der Show zeitweilig ihre Spannung — von den Solo-Spots ganz zu schweigen. Billy Sheehan ist mit seinem herrlich knurrenden Sound einer der großartigsten Bassisten der Welt, seine Instrumental-Soli sind allerdings schon seit Jahren bei Mr. Big wie auch bei den Winery Dogs wenig essenziell und grundsätzlich um einiges zu lang.

Auch über Sotos Vokal-Part des ›Prophet Song‹ lässt sich streiten, den der Sänger in einen zweiten Queen-Tribut übergehen lässt: ›Save Me‹ wird dankbar und lautstark mitgesungen — was hätte man sich gewünscht, die komplette Band und nicht nur Bumblefoot wäre in die Nummer eingestiegen: der Triumphzug wäre perfekt gewesen und niemand hätte auch nur eine Sekunde darüber nachgedacht, ob anstelle der vielen Solo-Gimmicks der eine oder andere Extrasong nicht das weitaus größere Ereignis gewesen wäre.

Nach Sherinians Keyboard-Solo aber wird alles gut: ›Lines In The Sand‹, das bockstarke Van Halen-Cover ›And The Cradle Will Rock‹ sowie das zu Beginn schmerzlich vermisste ›Coming Home‹ nehmen komplett gefangen und entschädigen für manche vorherigen Längenmoment. Das für 2018 angekündigte zweite Album darf gerne kommen.

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