Sons Of Apollo

MMXX

InsideOut
VÖ: 2020

Ein Monster mit fünf Köpfen

Wann hat sich Mike Portnoy eigentlich zuletzt eine Pause gegönnt? Ob mit der Neal Morse Band, Flying Colors oder demnächst wieder mit Transatlantic, der frühere Dream Theater-Trommler ist momentan allgegenwärtig. Dabei wollte er sein Hauptaugenmerk doch auf die Sons Of Apollo legen, jener Progressive-Rock-Supergroup mit dem ebenfalls einst beim Traumtheater agierenden Keyboarder Derek Sherinian, Gitarrist Ron „Bumblefoot“ Thal, Bassist Billy Sheehan und Sänger Jeff Scott Soto. Zumindest spielerisch ist das Quintett seit seinem 2017 erschienenen Debüt Psychotic Symphony zu einer schlagkräftigen Einheit gewachsen und hat den Stil-Mix aus Metal, Prog und klassischem Hardrock auf dem Nachfolger MMXX einem konsequenten und atemberaubend virtuosen Progressive-Metal-Ansatz weichen lassen.
Was der Fünfer in — zumindest zeitlich — überschaubaren Fünf-Minuten-Kompositionen wie ›Wither To Black‹, ›Asphyxiation‹ oder dem ein wenig an Deep Purple zu The Battle Rages On-Zeiten erinnernden ›Resurrection Day‹ an halsbrecherischen Tempohaken, monumentalen Riff-Brocken, glühend heißen Gitarren-Sprints und irrwitzigen Synthesizer-Klängen drängt, lässt dem Zuhörer kaum Zeit zum Atemholen, ist aber auch nichts, was man von dem mit allen Wassern gewaschenen Musiker-Kollektiv nicht ohnehin erwartet hätte. Überraschend dagegen, dass sich Bass-Gott Sheehan weitgehend im Hintergrund hält und seine Anwesenheit am ehesten in der kühlen Gothic-Ballade ›Desolate July‹ und dem atmosphärischen und relativ leichtfüßig inszenierten ›King Of Delusion‹, das mit kühlen Jazz-Schlenkern und quirligen Piano-Läufen gefällt, spürbar macht. Das „Biest mit fünf Köpfen“ (O-Ton Sherinian) speit im 16-minütigen ›New World Today‹ noch einmal ordentlich Feuer, ein Epos, das zugleich auch die Schwächen des Fünfers aufzeigt. Die kompositorischen Fähigkeiten hinken den spielerischen mitunter doch arg hinterher. Als aufsehenerregender Songschmied vom Schlage eines Neal Morse hat sich im Tempel des Apollo noch keiner seiner Söhne nachdrücklich aufgedrängt.

(7.5/10)
TEXT: MARKUS BARO

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