Muddy Waters
Giganten-Gipfel

Erfunden hat er den elektrischen Chicago Blues zwar nicht. Pionier und wichtigster Repräsentant eines ganzes Genres ist der 1913 als McKinley Morganfield geborene Muddy Waters aber zweifellos. Ende der Sechziger kämpft er ums künstlerische Überleben. Von seiner Plattenfirma lässt er sich zu Experimenten unterschiedlicher Dimensionen bewegen: Electric Mud (1968) und After The Rain (1969) geraten zum widerwilligen Spiel mit Psychedelic-Sounds und angesagten weißen Session-Musikern; die für den traditionellen Blues ohnehin schwierigen Siebziger hindurch müht sich Waters nur wenig erfolgreich um Rehabilitation.

Johnny Winter ist entsetzt. Seit jeher ist er glühender Bewunderer von Muddy Waters — und als Gitarren-Star des energetischen Blues-Rock mittlerweile wesentlich erfolgreicher als sein Idol. Er nimmt sich vor, Waters zurück auf Kurs zu bringen und nimmt eine LP mit ihm auf, die er als Fan und Freund gerne selbst von seinem Helden hören möchte: Waters singt und spielt Harp, Winter übernimmt die Gitarre. Die Band spielt live in einem Raum, Deckenmikrofone sorgen für einen bemerkenswert räumlichen und natürlichen Klang. Wenn Winter in der Eröffnungsnummer ›Mannish Boy‹ aus dem Hintergrund und zunehmend wild dem Sänger bei dessen Feststellungen „I’m a man, I’m a rollin’ stone, I’m a natural born lover“ beipflichtet, ist das nur ein dezenter Hinweis auf die Mordsgaudi, die alle Beteiligten bei den Aufnahmen haben.

Winter bringt Waters zurück — und fühlt sich selbst in seinem Gitarrenvortrag so tief in die Gedanken- und Gefühlswelt seines Helden ein, dass sein Spiel lange Zeit für das von Waters gehalten wird. Drei weitere gemeinsame Platten folgen, darunter auch Winters Solo-Album Nothing But The Blues aus dem gleichen Jahr.
 
Eine umfangreiche Story über die Zusammenarbeit von Johnny Winter und Muddy Waters gab es in ROCKS Heft 42 (05/2014):
http://www.rocks-magazin.de/shop/rocks-magazin-42-052014-mit-cd