Brian Johnson

Die Leben des Brian

Heyne
VÖ: 2022

Detailreiches Vorleben

Selbst wenn man es an dieser Stelle eigentlich längst begriffen hat, spürt man ihn ganz deutlich, diesen kleinen Schlag, der einen auf Seite 411 in die Magengrube trifft und es schwarz auf weiß mit den wohl unbefriedigendsten Zeilen bestätigt, die je ein Buch beendet haben: »Nach dem Erfolg von Back in Black folgten noch viele Jahrzehnte voller Alben und Tourneen mit AC/DC. Aber all diese Storys hebe ich mir für ein anderes Mal auf, ein anderes Buch.« Uff.

Tatsächlich ist der Schlüssel zu dieser nichtsdestoweniger sehr empfehlenswerten Autobiografie von Brian Johnson die Bereitschaft, kein explizites Buch über die Riff- und Boogie-Hardrocker lesen zu wollen, denen der Sänger 1980 nach dem Tod von Bon Scott beitreten durfte. Zwar finden sich in Die Leben des Brian auch Passagen, in denen der 1947 in Dunston, Newcastle geborene Johnson die dramatischen Ereignisse der Zeit um Rock Or Bust (2014) reflektiert, die über das Ausscheiden des drei Jahre später verstorbenen Malcolm Young aufgrund seiner vorangeschrittenen Demenzerkrankung hinausgehen — von vollständiger Taubheit bedroht, musste er selbst die Band während der laufenden Rock Or Bust-Tournee verlassen und dabei zusehen, wie er durch Axl Rose ersetzt wurde.

Die Ursachen und Hintergründe und sein Comeback mit der Band und dem Album Power Up schildert Johnson offen und umfassend, rund 80 Prozent der Buchseiten aber widmet er Erzählungen aus seinem Leben vor seinem Einstieg bei AC/DC und seinem großen Abenteuer, das mit der Fertigstellung von Back In Black begann.

Eine richtige Autobiografie also, mit etlichen Fotos und Dokumenten, in der er seine Jugend genauso Revue passieren lässt wie seine musikalischen Ambitionen und die Zeit mit den (zeitweiligen Glam-)Rockern Geordie. Sozusagen der Hobbit und die Vorgeschichte zu einer mehrbändigen Fortsetzung? Das bleibt sehr zu hoffen. Wobei der 75-Jährige unlängst zu verstehen gab, dass er diese nur zu gerne lesen, sie aber selbst wohl niemals schreiben wollen würde. Aber Power Up haben wir auch nicht alle kommen sehen.

 

Keine Wertung
TEXT: DANIEL BÖHM

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Cover von ROCKS Nr. 101 (04/2024).