Damn The Machine

Damn The Machine (1993)

Sein Ruf als Virtuose half ihm genauso wenig wie eine Huckepack-Tour mit Dream Theater: Die eigenständigen Prog-Metal-Visionen des früheren Megadeth-Gitarristen Chris Poland waren ihrer Zeit zu weit voraus.

TEXT: DANIEL BÖHM

Dass Dave Mustaine seine Band in den Achtzigern gerne mal als Jazz- und Prog-Metal-Kapelle vorstellte, war nie mehr als amüsanter Blödsinn.

Tatsächlich aber hatten sein Co-Gitarrist Chris Poland und Schlagzeuger Gar Samuelson seit 1977 in einer Fusion-Gruppe gespielt: Ein Hintergrund, der auch Megadeth ein breiteres technisches Wirkungsspektrum ermöglichte, aus dem besonders Poland mit markantem Ton, eigenwilligen Phrasierungen und fliegendem Legato-Spiel herausstach.



Drogen und Ego-Explosionen entzweien die Musiker; Poland geht in Therapie, nie wieder will er Gitarre spielen. Trotzdem entsteht 1990 mit seinem trommelnden Bruder Mark das Instrumental-Werk Return To Metalopolis — und drei Jahre später Damn The Machine, zu denen sich die Poland-Brüder mit Basser Dave Randi und Sänger Dave Clemmons formieren.

Die selbstbetitelte LP der Gruppe gerät zu einer der unkonventionellsten Veröffentlichungen des Prog-Metal.



»Wir waren schon ziemlich experimentell unterwegs«, so Poland. »Es war gar nicht so einfach, all diese komplizierten Parts und Ideen in sinnvolle und natürlich klingende Rocksongs zu verpacken.«

Eine Huckepack-Tour mit Dream Theater soll sie voran bringen. Doch ihr eigensinniger Sound hatte nie eine echte Chance, findet der Saitenvirtuose. »Rage Against The Machine haben kurz nach uns ihr Debüt veröffentlicht. Nachdem wir es gehört hatten, war uns klar, dass wir ziemlich gearscht waren«.

Nach dem Split verschrieb sich Chris Poland bedingungslos dem Fusion-Jazz, etwa in der Combo Ohm mit Ginger Bakers Sohn Kofi am Schlagzeug.



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