Dead Kosmonaut

Gravitas

High Roller
VÖ: 2020

Geerbte Zukunft

Bandgründer Matthias Reinholdsson spielt Bass und schreibt Songs wie Leif Edling, Steve Harris oder der junge Joey DeMaio. Seine Kompositionen eifern dabei nicht nur den Legenden nach, sondern führen das Erbe ebenbürtig weiter. Die erste Hälfte ist reiner Rausch, feinster geschmiedeter Stahl, mal in Tradition des Classic Rock (›Black Tongues Tar‹), der NWoBHM (›Iscariots Dream‹), des Okkult-Rock (›Vanitatis Profetas‹) oder des US-Metal (›The Spirit Divides‹). Die Gitarristen Frederik Folkare und Pär Fransson kredenzen Doppel-Leads im Stile großer Tandems wie Murray/Smith oder Gorham/Sykes. Sänger Pelle Gustafsson (Nifelheim) gibt hier den Metal-God, der den Tenor von Dickinson mit der Energie des jungen Hetfield verbindet.

Die B-Seite katapultiert die Band endgültig als gleichberechtigten Stern neben derzeitige Größen wie Opeth oder Graveyard: ›Hell/Heaven‹, eine in puncto Intensität schier berstende Mega-Ballade, bietet großes Kopfkino mit ihrer hypnotischen Piano-Linie und dem orchestralen Gitarren-Finale. Man denke sich eine Kreuzung aus Queensrÿches ›Suite Sister Mary‹ und Savatages ›Streets‹. Der Titeltrack stellt zwar nur ein kurzes Intermezzo dar, sinkt ob seiner Schwermut und der Bordun-Töne jedoch bis auf den Grund des Marianengrabens. Der zweiteilige Abschluss ›Dead Kosmonaut‹ folgt in seiner Liturgie den Doom-Großmeistern Candlemass und fährt neben einem majestätischen Chor-Intro auch eine pastorale Breitwand-Orgel auf. Abrundung erfährt die Platte durch ihre philosophisch-spirituelle Thematik jenseits der Klischees.

Keine Wertung
TEXT: YAN VOGEL

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