Dokken

The Lost Songs: 1978 - 1981

Silver Lining
VÖ: 2021

Aus und für die Tonne

Die Interviews, in denen Don Dokken diese Platte ankündigte, lasen sich vielversprechend. Demo-Funde aus der Frühzeit seiner Band versprach der Sänger — im Begleitinfo ist nun sogar die Rede davon, auch Stücke jener Sessions in den Stommelner Dierks-Studios befänden sich darunter, aus denen 1981 die Urversion von Breakin’ The Chains hervorging. Wer in diesem Kontext davon ausgeht, in ›Step Into The The Light‹ und ›No Answer‹ eben jene Original-Einspielungen präsentiert zu bekommen, darf sich einigermaßen wundern: Zu hören gibt es hanebüchene Rekonstruktionen unfertiger Skizzen, die speziell durch den unsäglich tranigen Neu-Gesang und die Gitarrenaufnahmen wie strunzöde Vorproduktionsdemos der mittleren Neunziger klingen, als die Originalbesetzung von Dokken zum zweiten Mal in Trümmern lag. Einzig Jon Levin lässt als aktueller Dokken-Gitarrist hin und wieder aufhorchen, wenn er in den Solo-Passagen zu seiner frechen Lynch-Mimikry ansetzt.Ungleich authentischer sind die ersten professionellen Studioaufnahmen von Michael Wagener, die die spätere Produzentenlegende mit einer der Frühinkarnationen von Dokken in Hamburg machte. Als Demo gedacht, gestohlen und Ende der Achtziger auf dubiosem Wege über Repertoire veröffentlicht, sind die vom Trio Don Dokken (Gesang, Gitarre), Juan Croucier (Bass) und Greg Pecka (Drums) aufgenommenen Songs hinlänglich bekannt; die seinerzeit ebenfalls auf Back In The Streets veröffentlichten Konzert-Takes ›Liar‹ und ›Prisoner‹ entstanden mit Greg Leon als zwischenzeitlichem Gitarristen. ›Broken Heart‹ ist die Rückseite der allerersten Dokken-Single aus den späten Siebzigern. Sollte sich noch jemand darüber wundern, was wohl mit der hörenswerten A-Seite ›Hard Rock Woman‹ passiert ist: die wird nun separat als limitierte 7“-Nachpressung zum Kauf angeboten. Im tollen Demo ›Hit And Run‹ ist dann endlich auch der furiose und stilprägende George Lynch an der Gitarre zu bewundern: In einer Live-Fassung war das Stück bereits auf dem fabelhaften From Conception: Live 1981 vertreten — die deutlich gehaltvollere Rückschau auf die Anfangszeit der US-Hardrocker Dokken.

(3/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

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