Eric Gales

Crown

Provogue
VÖ: 2022

Selbstbewusster Höllenhund

Seit dreißig Jahren mischt der 1974 geborene Eric Gales nun schon in der Blues- und Rock-Szene mit — ein schlechtes Album hat er sich in all dieser Zeit noch nicht vorhalten lassen müssen. Und doch durchzog sein bisheriges Schaffenswerk eine recht wechselhafte Qualität.

Seine besten Aufnahmen waren lange die ersten beiden zu Beginn der Neunziger im Verbund der Eric Gales Band entstandenen Platten, als sich das damals erst 16-jährige Gitarrentalent in den Fußstapfen von Jimi Hendrix und Robin Trower auf die Songs seines Bass spielenden und singenden Bruders Eugene und die Produktionsarbeit von Steve Gaines verlassen konnte. Der immense Erfolg der Black Crowes hatte The Eric Gales Band (1991) und Picture Of A Thousand Faces (1993) auch in der Welt des Hardrock ihre Wirkung entfalten lassen.

Drogendelikte, Knastaufenthalte und zahlreiche Plattenveröffentlichungen wechselten sich in seiner Biografie fortan ab. Längst ist er geläutert — und fordert mit seinem mit Abstand besten Album nun die Anerkennung ein, die ihm so lange verwehrt wurde. Als Bremsklötzchen hatte sich selbst auf Karriereglanzstücken jüngeren Datums wie Crystal Vision (2006), The Story Of My Life (2008), Middle Of The Road (2017) oder The Bookends (2019) immer der Produktionssound erwiesen.

Seine neue Scheibe ist schon deshalb ein ganz anderes Kaliber: Mit den Gitarristen Joe Bonamassa und Josh Smith scheint sich ein beständiges und überaus schlagkräftiges Studio-Team gefunden zu haben, das auf Crown Großes geleistet hat. Das Album hat einen Bombensound mit Tiefe und Seele, nie klang Gales selbstbewusster und abgeklärter. Und stärkere Songs gab es von ihm noch nie, die ganz wunderbar zwischen Blues, Heavy Rock und R&B changieren, gleichzeitig aber mit einer zuweilen an Jeff Healey (der Chor-Refrain des autobiografischen ›Survivor‹) und Robert Cray (›The Storm‹) erinnernden Melodiegüte versehen sind.

Ein Höllenhund an der Gitarre ist Gales noch immer, was er besonders hübsch in ›Too Close To The Fire‹ in Erinnerung ruft, in dem er Hendrix, Stevie Ray und John Mayer zwangsfusioniert. Knalleralbum.

(9/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

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