Fleetwood Mac

Tusk

Warner
VÖ: 2015

Kunst, Koks, & Kontraste

Der gigantischer Erfolg von Rumours als das größte Pop- und Softrock-Album der Geschichte hätte sich auch dann nicht ohne Weiteres wiederholen lassen, wenn das Gefüge der einst als Blues-Band gestarteten Fleetwood Mac in annähernd gesunder Verfassung gewesen wäre. Die Scheidung von John und Christine McVie noch während der Tournee war nur ein weiterer Ausdruck der Spannungen, an denen das Ensemble auseinanderzubrechen drohte. Aber auch die lange, von dekadenten Rauschfreuden und menschlichen Tragödien begleitete Entstehung ihrer nächsten Platte lässt tief blicken.

Tusk ist Lindsey Buckinghams Album: Von ihm stammt 1979 gut die Hälfte der Lieder — und auch der ideologische Kit, der aus den Kompositionen dreier Einzelkämpfer ein Ganzes macht. Der Punk hatte ihm gezeigt, dass auch die Popmusik eine anti-kommerzielle Ader und eine künstlerische Kompromisslosigkeit gut vertragen könnte, die hier nicht nur im Format (ein maßloses Doppel-Album) und im Produktionsstil, sondern auch in der Zusammenführung der Lieder zum Ausdruck kommt. Betont ruhige, zuweilen fast esoterisch anmutende Songs werden von Buckinghams von nervöser Energie durchfluteten Beiträgen aufgemischt (›The Ledge‹, ›That’s Enough For Me‹): Die entstehenden Kontraste verstärken die Wirkung beider Extreme beträchtlich.

Die Deluxe-Edition beinhaltet neben dem eigentlichen Album vier weitere CDs mit Demos, Outtakes, und Alternativversionen (darunter auch eine Fassung von ›Brown Eyes‹ mit dem kompletten Gitarrensolo von Original-Gitarrist Peter Green als Gast), Doppel-Vinyl und eine DVD des Albums im 5.1-Sourround-Sound. Auch zwei Live-CDs der Tusk-Tour sind enthalten, die als In Concert auch auf Vinyl zu bekommen sind.

(8/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

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