Ginger Baker

Trauer um Schlagzeug-Ikone

Peter Edward „Ginger“ Baker ist am 6. Oktober in einem Krankenhaus im südenglischen Canterbury gestorben. Zur Legende wurde der als mürrisch und cholerisch gefürchtete Baker in den späten Sechzigern vor allem als Drummer von Cream, mit denen er das Schlagzeug als Soloinstrument in der Rock-Musik salonfähig machte.

Sein innovativer, von Jazz und afrikanischen Rhythmen durchflossener Stil sowie der Einsatz von zwei Bassdrums formten sein Bild als einer der einflussreichsten Schlagzeuger aller Zeiten.

Bakers erste bedeutende Karrierestation war Alexis Korner’s Blues Incorporated, denen er 1962 beitrat. Dort spielte er nicht nur das Album Alexis Korner And Friends (1963) ein, sondern lernte auch den Bassisten Jack Bruce kennen. Zwischen ihnen entwickelt sich eine toxische Beziehung, die sie kreativ beflügelte, auf der zwischenmenschlichen Ebene aber berüchtigt war für mitunter gewalttätige Auseinandersetzungen. Mit ihm, Organist Graham Bond und Saxofonist Dick Heckstall-Smith formierte Baker 1963 die Graham Bond Organisation.

Weltweiten Ruhm erlangte Ginger Baker aber erst mit seiner nächsten Gruppe, die er 1966 mit dem einstigen Yardbirds- und vormaligen Bluesbreaker-Gitarrenstar Eric Clapton formierte — gemeinsam mit Jack Bruce, der kurz zuvor von Baker aus der Graham Bond Organisation geschmissen worden war, auf den Clapton aber bestand. Fresh Cream (1966), vor allem aber die künstlerisch immens wertvollen Alben Disraeli Gears (1967) und Wheels Of Fire (1968) sind das schillernde Kernwerk dieses psychedelischen Power-Trios und der Mutter aller Supergroups, das Gitarre, Bass und Schlagzeug gleichberechtigt als Solo-Instrumente einsetzte und in ihren Improvisationsstrecken aus dem Jazz schöpfte. Ein letztes Album erschien als Hybrid aus Studio- und Live-Aufnahmen erst nach der Auflösung der Gruppe (Goodbye, 1969).



Den Erfolg von Cream sollte Baker nie mehr erreichen. Auch nicht mit den kurzlebigen Blind Faith, denen unter anderem auch Clapton und Steve Winwood (Traffic) angehörten. Es folgten Jazzrock-lastige Ensembles wie Ginger Baker’s Airforce und die Baker Gurvitz Army. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten tauchte Baker immer wieder in anderen Bands auf, etwa bei Hawkwind oder später bei Masters Of Reality (Sunrise On The Sufferbus, 1992), vereint mit Jack Bruce bei der Supergroup BBM mit Gary Moore. Zudem gehen zwanzig Solo-Alben auf das Konto des wilden und afrikavernarrten Schlagzeugers.

Ebenso rastlos war sein Privatleben. 1971 ließ er sich im nigerianischen Lagos nieder, wo er ab 1973 die Batakota Studios betrieb, in denen noch im selben Jahr die Wings und Paul McCartney Band On The Run aufnahmen. Anfang der Achtziger Jahre zog er in die Toskana auf eine Olivenfarm, auch um seine Heroinabhängigkeit zu überwinden, was ihm jedoch nicht gelang. Zeitweise lebte er außerdem in Kalifornien und Südafrika.

Für seine Leistung als Musiker wurden ihm mehrere Ehrungen zuteil. So wurde er 1993 mit Cream in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen und ist seit 2008 in der Modern Drummer Hall of Fame und seit 2016 in der Classic Drummer Hall of Fame vertreten.


ROCKS PRÄSENTIERT

DAS AKTUELLE HEFT

Das neue ROCKS ist da! Heft Nr. 88 (03/2022) ab heute im Handel!