Iggy Pop

Zombie Birdhouse

Caroline International
VÖ: 2019

Den Berg hinauf

Als er 1977 seine Kooperation mit David Bowie erneuerte und mit den in West-Berlin entstandenen Alben The Idiot und Lust For Life (1978) die künstlerische Verbindung zum nihilistischen (Proto-)Punkrock-Werk der Stooges aufzubrechen begann, deutete alles auf eine vielversprechende Sololaufbahn von Iggy Pop hin. Dass aber auch er im Leben nichts geschenkt bekommen würde (die Berlin seinerzeit überschwemmenden Drogen wohl ausgenommen, die dem gestählten Hünen schwer zusetzten), war schon bald sehr offensichtlich.

Während New Values (1979), die erste von drei LPs für seine neue Plattenfirma RCA, als grober Mix des New Wave andeutenden The Idiot und dem alten Schnodder-Rock der Stooges recht gut funktionierte, fiel Pop mit Soldier und dem sich dem Mainstream anbiedernden Party in ein ziemlich finsteres Loch. Erst mit dem verschrobenen Zombie Birdhouse ging es für Iggy Pop 1982 wieder bergauf, einem Album, das Blondie-Gitarrist Chris Stein mit einspielte und über seine eigene kleine Plattenfirma veröffentlichte.

Durchgedrehtes Promille-Zeug wie ›The Ballad Of Cookie McBride‹ ist schwer genießbar und ein Charakterzug dieser Platte. Stücke wie ›Run Like A Villain‹, ›The Villagers‹ oder ›Ordinary Bummer‹ dagegen machen Zombie Birdhouse tatsächlich hörens- und auch liebenswert, weil sie als Gegenpol auf eine sehr unbemühte und künstlerisch aufrichtige Weise die Nähe zur Bowie-Arbeit The Idiot suchen. Eine frühere Deluxe-Ausgabe enthielt ein tolles Live-Album zur Beigabe, diese Edition wurde lediglich um den Bonus ›Pain And Suffering‹ erweitert.

(7/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

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