Jethro Tull

The String Quartets

BMG
VÖ: 2017

Umschnörkelt und umflötet

Eins muss man Ian Anderson lassen: Es fällt ihm immer etwas Neues ein, um dem respektablen Jethro Tull-Repertoire einen neuen kreativen Funken einzuhauchen. Die Idee hinter diesem Werk ist in der Theorie bestechend. Man inszeniere die Songs für zwei Violinen, Viola und Cello, füge hie und da noch Flöte und Mandoline hinzu, und schon hört der Fan Vertrautes in einem neuen akustischen Kontext.

Arrangiert hat Keyboarder John O’Hara diese 12 Stücke mit dem Anspruch, mehr als bloß Instrumente umzuverteilen. Bei ›Farm On The Freeway‹ spürt man den gestalterischen Willen, sich von der Bandvorlage zu befreien. Allein es klingt auf Biegen und Brechen konstruiert. ›Sossity‹ und ›Reasons For Waiting‹ werden in eine musikalische Zwangsehe überführt, die zerrupfter und verhackstückter nicht sein könnte, und dann singt auch noch der Meister ein paar Zeilen mit brüchiger Stimme drüber. Das Problem der meisten Stücke aber ist, dass sie mit einem Text und einer Melodie komponiert wurden, die vom Gesang getragen wird. Dass sie auch als Lagerfeuersongs funktionieren, aber eben nicht umgekehrt im klassischen Kontext.

Anderson scheint von der (unter Progressive-Rockern offenbar nicht totzukriegenden) Idee besessen zu sein, als E-Musiker ernst genommen werden zu wollen. Bei ›Bungle In The Jungle‹ und ›Locomotive Breath‹ offenbart sich die ganze Tragikkomik dieses Versuchs: Da wird die Gesangsmelodie umschnörkelt, umflötet und mit Sahnehäubchen umpampt, bis man kleine tanzende Figürchen auf Spieldosen halluziniert. Fahrstuhlmusik für die gebildeten Stände. Wobei die sich als Klassik-Kenner vermutlich vor Lachen die Schenkel blau hauen würden. Zurecht.

(2.5/10)

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