ROCKS

Mike Seifert (1960 – 2020)

Wir trauern um unseren langjährigen Text-Chef Mike Seifert. Ein persönlicher Nachruf.

TEXT: DANIEL BÖHM

Persönlich kennengelernt habe ich Mike Seifert Ende der Neunziger. Neben dem Studium arbeitete ich damals in einer Promotion-Agentur — Mike hatte wegen eines Interviews in Köln zu tun und wollte einfach mal Hallo sagen. Bis dahin kannten wir uns lediglich vom Telefon. Er war Textchef des Break Out, als der er mich als Schreiber eine Zeit lang redigierte. Unmittelbar vor seiner Ankunft und unserer ersten Begegnung in der Lichtstraße raunte mein Chef mir verschmitzt zu: »Das, was gleich passiert, wirst du dein Leben lang nicht vergessen.«

Wie recht er damit hatte. Es fehlte eigentlich nur noch der Kunstnebel: Den Gang entlang kam in schweren Cowboystiefel-Schritten eine hochgewachsene Gestalt mit blondierter, wehender Mähne, die Fliegersonnenbrille im Gesicht und in schwarze (Fransen-)Lederklamotten gehüllt. In der Hand trug er einen Aktenkoffer. Mike war eine Persönlichkeit, die Eindruck machte, noch bevor seine durchdringende Stimme durch den Raum dröhnte. Das wissen auch alle, die ihn im Rhein-Neckar-Kreis als langjährigen Kulturreporter des Mannheimer Morgen erlebten, den er mit seiner gewitzten Schreibe und mit seinem scharfem Verstand bereicherte und manchmal auch aufmischte: »Schau: Ich bin halt Rock’n’Roller«, hat Mike immer gesagt, der konservatives Elitedenken und kleingeistiges Spießbürgertum aus vollster Lebenshaltung verachtete.

In der ersten Dekade des neuen Jahrtausends sind wir zunächst unserer Wege gegangen, aber zumindest sporadisch in Kontakt geblieben. Dass in dieser Zeit nicht viel Gutes in seinem Leben passierte, erfuhr ich erst allmählich in den vielen langen Telefonaten, die wir später beinahe täglich führen sollten.

Mit seiner Begeisterung für Science-Fiction hat mich „der Commander“ nie wirklich anstecken können. Und auch seine so gewichtig vorgetragenen Ausführungen über die Wissenschaft und Kunst der korrekten Tee- und Eierzubereitung haben mich nicht wirklich vom Kaffee abgebracht. Mike liebte die Sprache eben nicht nur auf Papier.

Als Autor bereicherte er ROCKS von der ersten Ausgabe an. Er half im Lektorat — Ende 2008 wurde er der Textchef, der unser Heft massiv geprägt, mitgestaltet, besser gemacht hat, bis ihn weitere gesundheitliche Tiefschläge 2016 daran hinderten.

Im Januar ist Mike Seifert in seiner Wohnung in Mannheim gestorben.

Mögest du endlich deinen Frieden finden. Du wirst immer ein Teil von uns und ROCKS sein.

 

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