Muse

Simulation Theory

Warner
VÖ: 2018

Inszenierung in Überlebensgröße

Nach der verhältnismäßig rockigen Technik-Dystopie auf Drones (2015) folgt nun der verklärte Blick auf die Zukunft. Muse tauchen tief in den Materialismus der Achtziger ein und bauen auf Simulation Theory auf die Macht der Zitate: Harmonien und Melodien reproduziert das Trio nach der Vorlage ihrer eigenen Artrock-Großtaten, den Rest besorgt ein Meer aus Drum-Fills, Synthie-Geplucker, Robot-Vocals, Beats und Orchester-Kleister, die man so oder so ähnlich schon von Queen, Madonna, Timbaland oder Produzentenlegende Phil Spector hören konnte — zugegebenermaßen aber selten gleichzeitig. Alles steht und fällt mit den Ideen. Sind diese schmissig wie im orientalisch angehauchten Midtempo-Stampfer ›Break It To Me‹ oder dem flotten, gitarrenlastigen ›Blockades‹, wissen Muse zu überzeugen und auch der Country-Part in ›Propaganda‹ sorgt immerhin für hochgezogene Mundwinkel. Andererseits überspannt Mastermind Matthew Bellamy den Bogen gerne bis zum Kitsch (›Get Up And Fight‹) oder verliert sich gleich in unangenehmer Sterilität (›Algorithm‹). Mutig und andersartig ist Simulation Theory zweifellos — und die Musik darauf mehr denn je polarisierende Geschmackssache. Und das will bei Muse etwas heißen.

(7/10)
TEXT: YAN VOGEL

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