Neal Morse Band

The Great Adventure

Radiant
VÖ: 2019

Auf zum nächsten Höhepunkt!

Es ist schon fast unheimlich, wie es Progressive-Altmeister Neal Morse immer wieder schafft, sich mit jeder neuen Veröffentlichung zu steigern. Das war mit Spock’s Beard und Transatlantic so und mit seiner eigenen Band ist es nicht anders. Nun galt es, das exquisite Prog-Meisterwerk Similitude Of A Dream von 2016 in den Schatten zu stellen, ein Doppeldecker, nach dessen Vollendung Trommler Mike Portnoy vor Glück geweint haben soll. Auf die Frage, was man auf ein derartiges, episches Konzeptwerk folgen lassen solle, gab der ehemalige Dream Theater-Taktgeber die einzig passende Antwort: Ein weiteres episches Konzeptwerk!

Ein solches ist The Great Adventure, der dritte Streich der Neal Morse Band, nun auch geworden. Anders als sein Vorgänger klebt das wiederum zum Doppelalbum ausgeweitete Werk weniger streng an der literarischen Vorlage The Pilgrim’s Progress des Baptistenpredigers John Bunyan aus dem 17. Jahrhundert mit ihren zahlreichen Allegorien und Metaphern und ermöglicht dem somit freier agierenden Quintett, ein atemberaubend prächtiges Kunstrock-Feuerwerk mit enorm vielen Facetten abzubrennen.

Mit den eröffnenden zehn opulenten Minuten beginnt das Abenteuer ungemein dramatisch. ›Overture‹ vermischt subtil Leitmotive beider Alben und spannt einen Bogen zum pompösen Finale ›A Love That Never Dies‹. Dazwischen findet sich fast durchgehend gewohnt hoher Morse-Standard: mathematisch passgenau gezirkelter Heavy-Prog (›The Great Despair‹, ›I Got To Run‹), atmosphärische, Streicher-unterlegte Balladen (›Beyond The Borders‹, ›Long Ago‹), fröhlicher Pop (›Hey Ho Let’s Go‹) und eine soundtrackartige und schwer an Hans Zimmer-Bombast erinnernde ›Overture 2‹. Die Lust des 58-Jährigen auf leichte Westcoast-Melodien wie in ›Freedom Run‹ von der letzten Scheibe ist hier leicht versiegt, nicht jedoch sein Gespür für Killermelodien, wie etwa ›Welcome To The World‹ oder der Titelsong beweisen. Zwei, drei leichte Durchhänger gilt es zu verschmerzen, so ›Vanity Fair‹ oder ›Venture In Black‹, was nichts daran ändert, dass The Great Adventure einen weiteren Höhepunkt im Schaffen des Neal Morse darstellt.

(9/10)
TEXT: MARKUS BARO

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