Rainbow

Monsters Of Rock: Live At Donington 1980

Eagle Rock
VÖ: 2016

Die Arroganz der Macht

Am 16. August 1980 waren Rainbow als Headliner des Monsters Of Rock-Festivals in Castle Donington gebucht. Es war das erste Rockfestival, das jemals dort stattfand und gleichzeitig die letzte Vorstellung der Rainbow-Inkarnation mit Sänger Graham Bonnet, Bassist Roger Glover, Keyboarder Don Airey und Schlagzeuger Cozy Powell — betourt wurde das im Vorjahr von Bonnet eingesungene Album Down To Earth.

Es spielt eine Band, die sich nicht entscheiden kann, ob sie auf der Bühne die songorientierte Seite der aktuellen Besetzung präsentieren, oder doch lieber die Anhänger der ersten drei Klassiker ansprechen will. Was schon deshalb nicht funktioniert, weil Graham Bonnet der falsche Mann für ein Dio-Paradestück wie ›Stargazer‹ ist: Der will einfach nicht über hoch fliegende Zauberer singen, fühlt sich stattdessen am wohlsten in seinen eigenen Rainbow-Songs — ›All Night Long‹, ›Since You’ve Been Gone‹ und ›Eyes Of The Universe‹. Letzteres allerdings zerreißt der Mann in Schwarz durch eine süffige Lärmorgie, die fast respektlos gegenüber der Musik wirkt — zudem beweist Cozy Powell im überdrehten Schnipselchen von ›Lazy‹ schlagkräftig, dass er jeden Anflug von Swing im Keim zu ersticken weiß.

Rainbow wirken weniger wie eine Band als ein routiniert aufspielendes Vehikel für Blackmores Egotrip. Der inszeniert am Ende nochmal seinen Brandbeschleuniger-Trick vom California Jam 1974: Der Marshall geht in Flammen auf, doch selbst das wirkt bestenfalls noch wie eine fade Reminiszenz. Schlimmstenfalls ist es die einstudierte, kalte Arroganz einer vermeintlichen Macht. Großes Feuerwerk, Ende. Mission erfolgreich, aber welche eigentlich? Die beiliegende DVD enthält Bruchstücke des Konzerts: Es ist das wenige Videomaterial, das überhaupt gerettet werden konnte.

Keine Wertung

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