Roger Taylor

Outsider

Universal
VÖ: 2021

Reif und eigenwillig

Der Queen-Schlagzeuger, auf dessen Konto Hits wie ›Radio Ga Ga‹ oder ›Breakthru‹ gehen, ist auf Solopfaden ein eigenwilliger, aber inspirierter Songwriter: Er bedient sich softer, poppiger Melodien und Klang-Spielereien, und erschafft damit Songs, die haarscharf am Mainstream vorbeischrammen. Outsider ist sein sechstes Solo-Album, auf dem er den Großteil der Instrumente selbst einspielte.

Anders als sonst ist die Stimmung der zwölf Tracks meist kontemplativ und melancholisch: Der 72-Jährige blickt auf sein Leben und zieht Bilanz (›Journey’s End‹), verarbeitet die Pandemie (›We Are All Just Trying To Get By‹ mit KT Tunstall) und übt sich im Einstieg ›Tides‹ in Demut. Hier ist aufmerksames Zuhören gefragt, um sich mit dem ruhigen Fluss treiben lassen zu können. Lebhafter wird es nur in ›More Kicks…‹, dessen E-Gitarren, fesches Saxofon und klimperndes Rock’n’Roll-Klavier rocken, der Reprise des offenherzigen ›Gangsters Are Running This World — Purple‹ und dem Cover ›The Clapping Song‹ (Shirley Ellis, 1965).

Deutlich gewonnen hat das sparsam mit Akustikgitarre unterlegte ›Foreign Sand — English Mix‹, das seiner auf Happiness? (1994) pompöser Instrumentierung entledigt wurde. Outsider ist Roger Taylors bislang reifstes Werk. Hoffen wir, dass es — anders als es hier wirkt — nicht sein letztes bleibt und er unsere Hörgewohnheiten weiterhin herausfordern wird.

(7/10)
TEXT: AGI RASCHKA

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