Saxon

Sacrifice

UDR
VÖ: 2013

Brachiales mit verborgenen Reizen

Die große Klasse von Call To Arms erreichen Saxon weder kompositorisch noch im Sound von Sacrifice. Stattdessen scheinen sich die unverwüstlichen Briten um Frontmann Biff Byford auf ihrem zwanzigsten Studiowerk von erheblich älteren Klassikern wie Wheels Of Steel, Strong Arm Of The Law oder Denim And Leather inspirieren lassen. Das ist nicht verwerflich, denn schließlich gelten diese in den frühen Achtzigern entstandenen Platten zu den besten der Formation.

Der Einstieg in die aktuelle, von Byford produzierte und von Andy Sneap gemischte LP ist brachial. Der Titelsong demonstriert mit Nachdruck, dass Alter nicht vor brettharten Gitarrensalven schützt. Das Stück türmt sich auf wie ein Felsmassiv, die Gitarristen Paul Quinn und Doug Scarratt brillieren. Die ungeniert zur Schau getragene Härte des Lieds bleibt kein Einzelfall. Saxon wollten ein Album, das ohne Umschweife auf den Punkt kommt. Eines, das vor direkter Kraft strotzt und dem Signum Heavy Metal gerecht wird.

Über weite Strecken ist dem Quintett dieses Vorhaben geglückt. ›Made In Belfast‹ kokettiert mit dem gekonnten Wechselspiel aus harten Riffs und einschmeichelnden Mandolinenklängen, ›Night Of The Wolf‹ und ›Standing In A Queue‹ setzen auf kontrollierten Groove im mittleren Tempobereich. Dazwischen stehen mit der rasanten Motorsport-Hymne ›Warriors Of The Road‹, dem mit grandiosen Melodien gespickten ›Guardians Of The Tomb‹ sowie dem griffig-rabiaten Ohrwurm ›Stand Up And Fight‹ drei der besten Songs, die Saxon in den letzten zwei Dekaden komponiert haben.

Dass ein paar wirklich unspektakuläre Durchschnittsnummern wie ›Walking The Steel‹ und ›Wheels Of Terror‹ nicht mithalten können, lässt sich gerade so verschmerzen: Immerhin gibt es auf einer zweiten CD fünf Songs älteren Datums (unter anderem ›Crusader‹ und ›Frozen Rainbow‹) in neuen Arrangements zu entdecken, die bislang verborgene Reize der Kompositionen offenbaren.

(7.5/10)

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