Scorpions

45 Jahre Virgin Killer

Nicht nur isoliert im Band-Kontext ist Virgin Killer ein riesengroßes Album. Am 21. November 1976 erschien die vierte Scorpions-Platte in Deutschland.

TEXT: DANIEL BÖHM

Speziell auf der ersten Plattenseite bringen die Niedersachsen Lieder zusammen, die in für das Jahr 1976 beinahe exotisch anmutende Härteregionen vorstoßen.

Der mitreißende Einstieg ›Pictured Life‹ ist bis heute einer ihrer besten Auftaktsongs geblieben, in dem Schenkers markant gehackte Rhythmus-Gitarre den Grund für zweistimmig tirilierende Traum-Leads von Uli Roth bereitet.

›Catch Your Train‹ und ›Virgin Killer‹ explodieren in purer Angriffslust — energetischen Songs wie diesen ist es geschuldet, dass Klaus Meine in naher Zukunft mit Stimmbandproblemen zu kämpfen haben wird.



Die beiden von Roth gesungenen Lieder ›Hell-Cat‹ und ›Polar Nights‹ strotzen vor Verweisen auf Jimi Hendrix und Robin Trower mit orgiastischen Soli; unbeschreiblich klagend spielt der Saitenstar in ›Crying Days‹.

Spätestens auf dieser volltönenden Platte zahlt sich die Zusammenarbeit mit Dieter Dierks aus: Die gegensätzlich tickenden Kreativkräfte der Lager Rudolf Schenker/Klaus Meine und Roth lassen auf Virgin Killer Einmaliges entstehen.



Für Aufsehen sorgt neben dem musikalischen Inhalt auch die Verpackung. Auf dem Originalcover ist das Foto eines nackten zehnjährigen Mädchens zu sehen; es wird als kinderpornographisch zensiert und gegen ein weniger anstößiges Bandfoto ausgetauscht.

Mehr über die spannende Frühphase der Scorpions steht in der Titelgeschichte von ROCKS Nr. 45 (02/2015).


 

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