Simon McBride

Man kann alles mischen

Simon McBride ist schwer beschäftigt. Sein viertes Solo-Album The Fighter ist gerade erschienen — Aufmerksamkeit bekommt der Gitarrist aber vor allem wegen seines aktuellen Engagements für Deep Purple.

 

TEXT: THOMAS ZIMMER |FOTO: Franz Schepers

Bekannt wurde Simon McBride in erster Linie als Gitarrist der Solo-Band von Don Airey und als derjenige, der 2017 Micky Moody bei Snakecharmer ersetzte, die auf ihrem zweiten und bislang letzten Album Second Skin den Sound der klassischen Whitesnake mit den Riverdogs und den späten Bad Company in Einklang brachten.

Aktuell ersetzt er den unpässlichen Steve Morse bei Deep Purple. Zunächst bis Ende Juli soll er Morse vertreten, der die Tour nicht spielt, um seiner Frau während einer Krebsbehandlung beistehen zu können. »Es gibt keine Regeln«, sagt McBride über das Betriebsklima bei Deep Purple: »Da heißt es, ganz alte Schule, du bist der Gitarrist. Sie schreiben mir nicht vor, was ich spielen soll. Klar gibt es bestimmte Sachen, die einfach sein müssen. Warum zur Hölle sollte ich das Solo in ›Highway Star‹ anders spielen? Das gilt auch für bestimmte Passagen von ›Lazy‹ und noch ein paar andere Songs. Aber die Show lässt mir genug Raum für Experimente.«



Wann er mit seinem eigenen Album auf Tour gehen wird, stehe noch in den Sternen. »Dieses Jahr habe ich nichts geplant, weil ja jeder nachholen will, was in der Pandemie abgesagt wurde. Ich weiß nicht, was passieren wird. Ich habe ja auch nicht ahnen können, dass ich dieses Jahr mit Deep Purple touren würde.«
Der Belfaster verbindet auf The Fighter griffige Rocksongs mit monolithischen Riffs und punktgenauen Soli, gelegentlich gekrönt von extrem eingängigen Refrains, die seine Musik irgendwo zwischen Aynsley Lister, Richie Kotzen, Joe Bonamassa und John Mayer verorten.

»Als ich ein Kind war, liefen bei meinem Vater Led Zeppelin, Deep Purple, Black Sabbath. Das setzt sich im Kopf fest, und wenn man Musiker ist, kommt es auch irgendwann wieder zum Vorschein. Mein neues Album gibt einen Einblick in all die Musik aus den Siebzigern und Achtzigern, die mich geprägt hat, beispielsweise der Track ›Don’t Dare‹. Wenn ich mir den heute anhöre, dann klingt das doch ein wenig nach Led Zeppelin. Aber das war gar nicht beabsichtigt. Man kann heute alles miteinander vermischen.«



Das Album endet mit einer Referenz an die Band, die die Messlatte für alles, was sich Bluesrock nennt, bis heute sehr hoch gelegt hat. McBrides Power-Trio covert den Song ›The Stealer‹ von Free. »Ich war immer ein Riesen-Fan von Free. ›The Stealer‹ habe ich jahrelang live gespielt. Wenn ich Songs covere, möchte ich nicht einfach nachspielen, da bin ich sehr heikel. Wenn du das exakt so hören willst, dann höre doch einfach Free. Ich will mich auch nicht mit denen messen. Ich habe das etwas anders gespielt, um es eben mehr zu meinem Song zu machen. Ich hoffe, es klingt nicht wie eine Beleidigung für das Original.«

McBride spielt Gitarre, schreibt die Songs und singt sie auch selbst. Was seine Fähigkeiten als Sänger betrifft, gibt er sich allerdings bescheiden: »Ich singe, aber deshalb betrachte ich mich noch nicht als Sänger. Ich wollte immer sein wie Paul Rodgers oder Chris Cornell, aber ich klinge einfach nicht wie sie. Ich hatte schon zehn Jahre lang Gitarre gespielt, bevor ich überhaupt versucht habe zu singen. Man muss lernen, wie das geht und man muss Erfahrung sammeln. Das braucht seine Zeit. Ich denke, darin bin ich jetzt besser als vielleicht vor 15 Jahren.«

Ganz ohne Gesang kommt das Album aus, das er während des Lockdowns aufgenommen hat. »Ich kann mir keine Stücke im Stil von Colosseum II — wie wir sie mit Don Airey spielen — auf meinem nächsten regulären Album vorstellen. Aber ich habe dieses Instrumental-Album aufgenommen, das mehr in diese Richtung geht. Da ist all dieses ganz verrückte Zeug drauf. Ich habe mich gelangweilt, habe ein paar Drummer angerufen und den Rest alleine zu Hause gemacht. Wann es veröffentlicht wird, muss das Label entscheiden.«


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