Stephan Kurenbach

UDOgraphie — Die ultimative Lindenberg-Diskographie

VÖ: 2019

Gratwanderung im Großformat

Bücher über Udo Lindenberg gibt es etliche, zumindest Hinter all den Postern (1980), El Panico (1989) und UDO (2018) sollten Sympathisanten des deutschen Rockurgesteins gelesen haben. Im Vergleich zu diesen Publikationen, die sich fast ausnahmslos am Lebensweg des im westfälischen Gronau geborenen Künstlers entlanghangeln, wählt Stephan Kurenbach einen anderen Ansatz für seinen Schmöker im LP-Format.

Der Autor, der von 1994 bis 2006 (teils unter dem Pseudonym Kuri Gella) auf mehreren Alben präsentierte, wie talentfrei er als Musiker ist, stellt die Platten in den Mittelpunkt, an denen der heute 73-jährige Lindenberg seit 1965 beteiligt war, und beleuchtet jede davon eingehend. Von der ersten Single ›Mrs. Brown‹ mit Nico und die Mustangs (1965), über seine Kooperationen mit Klaus Doldinger, Peter Herbolzheimer und Ulla Meinecke bis hin zu all den Alben unter Lindenbergs eigenen Namen klammert Kurenbach nichts aus. Selbst die unrühmliche Unterstützung von an sich ungeliebten „Schlageraffen“ wie Jürgen Drews und Jürgen Marcus Ende der siebziger Jahre kehrt er nicht unter den Teppich, sondern versieht (manchmal etwas zu sprunghaft) jede Veröffentlichung mit Geschichten aus der relevanten Zeit und beziffert einen Sammlerwert für die aufgeführten Singles, LPs, CDs, MCs, DVDs und Bücher.

Die regulären Langspielplatten des „Panik-Präsidenten“ rezensiert er zudem ausführlich, lässt aber gerade in dieser Hinsicht mitunter die nötige Objektivität vermissen. Wie Kurenbach selbst sagt, fand er erst mit dem Album Ich will dich haben (1991) Zugang zum Panik-Universum. Dass er diese Ansammlung völlig belangloser Liedchen, auf denen Udo Lindenberg nicht ohne Grund furchtbar ausgelaugt wirkt, deswegen aber mit der Höchstnote belegt und im Gegenzug so manchen Klassiker aus den siebziger und achtziger Jahren mit weniger Punkten degradiert, ist ein Frevel und gleicht einer Ohrfeige für eingefleischte Lindenberg-Anhänger — Geschmacksache hin oder her. Ärgerlich sind zudem manche Abbildungen im Buch, die grottenschlecht gescannt oder bis zur Verpixelung vergrößert wurden. UDOgraphie — Die ultimative Lindenberg-Diskographie bleibt eine Gratwanderung zwischen informativer Unterhaltung und verschenkter Möglichkeiten.

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