Steve Lukather mit Paul Rees

The Gospel According To Luke

Constable
VÖ: 2018

Der beste Job der Welt

Wer der englischen Sprache mächtig ist und zudem das Privileg hatte, einmal persönlich mit Steve Lukather geredet zu haben, den spricht diese Autobiografie an — im Wortsinne. Denn Lukather hat es zusammen mit seinem Co-Autor Paul Rees geschafft, diesen rasenden Parforceritt durch seine über vierzig Jahre andauernde Musikerkarriere exakt so klingen zu lassen, als säße er dem Leser erzählend gegenüber.

Ja, er fluche gerne, schreibt er, schließlich stamme er aus einer wütenden Familie, die gern mal rumschreie. Er rät jedem von der Lektüre ab, der das nicht verträgt. Und jene, die darauf spekulieren, nun endlich fette Drogen- und Sex-Skandale nachlesen zu können, werden enttäuscht. Dem Gitarristen geht es vorrangig um Musik und wie sie gemacht wird, um die unzähligen Musiker, mit denen er gearbeitet hat. Wenn Lukather den Leser in seinen Erzählungen mitnimmt ins Studio und auf die Bühne, hat man das Gefühl, wirklich dabei zu sein. Der rote Faden aber ist die Geschichte der unverwüstlichen Toto, einer der von Kritikern meistgehassten Bands des Planeten. So schrieb einer während der Ölkrise, die Herstellung von Toto-Platten sollte verboten werden — wegen Materialverschwendung. Ein anderer bedauerte, dass man die Eltern der Musiker nicht rechtzeitig sterilisiert habe, um diese Band zu verhindern. All denen gilt Lukathers deutliche Ansage: »Say it to my face, asshole.« (Sag’s mir ins Gesicht, Arschloch.) Er ist arrogant, allerdings mit einigem Recht — und das auch auf eine kratzbürstig-charmante Art.

Auf der anderen Seite outet er sich immer wieder als Fan, der in Ehrfurcht vor all den Größen niederkniet, mit denen er zusammenarbeiten durfte. Im Laufe seine Karriere mit drei der vier Beatles kooperieren zu können, wäre ihm zuvor genauso realistisch erschienen wie der erste Mann auf der Venus zu sein. Auf 1.500 Musikproduktionen hat er seine Spuren hinterlassen, und so kommt auch sein Buch um ein Namedropping nicht herum: Quincy Jones, Stevie Nicks, Elton John, Miles Davis, Joni Mitchell, Don Henley, Roger Waters, Aretha Franklin, Michael Jackson sind nur einige der schier unzähligen Kollaborationen. Lukather vertritt sein Credo, dass Erfolg eine Mischung aus harter Arbeit und der Liebe zur Musik sei. Aber die Chemie muss eben auch stimmen — und deshalb steht seine eigene Gruppe immer über allem: Toto sind eine Band. »Wenn ich die Songs mit anderen Leuten spiele, klingen sie nie genau so. Es ist einfach die Art, wie wir zusammenspielen. Es war immer so. Es ist die Chemie.« Umso mehr beklagt er den Verlust von Jeff und Mike Porcaro. In jeder Zeile ist spürbar, wie nahe Lukather diese Todesfälle bis in die Gegenwart gehen. Einer Gegenwart, in der der 62-Jährige immer noch von seinem Job schwärmt. Zweihundert Tage im Jahr on the road? Kein Problem: »Wir haben den besten Job der Welt. Da gibt es nichts herumzunörgeln.«

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