Sunbomb

Evil And Divine

Frontiers
VÖ: 2021

Kapitaler Rohrkrepierer

In der zweiten Hälfte seines zweiten Karrierelebens ist Michael Sweet produktiver denn je. Und eins muss man dem Sänger und Gitarristen von Stryper zugutehalten: Bei keinem seiner Plattenprojekte der letzten Jahre hat er den leisesten Zweifel daran aufkommen lassen, nicht mit Leib und Seele bei der Sache zu sein. Dieses hier dürfte ihn wegen der Andersartigkeit gereizt haben.

Zu verantworten hat es Tracii Guns, der noch nie im Verdacht stand, auf sich gestellt und abseits der Sleazer L.A. Guns der große Macher zu sein: Für Evil And Divine hat sich der Gitarrist einem vergleichsweise harten Doom-Ansatz verschrieben, der auf Tuchfühlung mit Candlemass, Black Sabbath mit Ronnie James Dio und frühen Trouble gehen will — in seinem krachenden Scheitern aber lediglich die Krux und die Kunst dieser Musik demonstriert, die schon ein bisschen mehr aufbieten muss als langsame Grundschulriffs.

Sweet versucht nach Kräften, die ereignislosen Lieder mit melodischem Drama, mit Stimme und Stimmung auszufüllen, was ihm immer dann gelingt, wenn er in Chören dicker aufträgt. Meist klingt er allerdings, als habe er am Vorabend deutlich zu scharf gegessen: Dieses gepresste Geknödel und bizarre Geschreie ist auf Albumlänge nur ganz schwer zu ertragen.

(5/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

ROCKS PRÄSENTIERT

DAS AKTUELLE HEFT

Das neue ROCKS ist da! Heft Nr. 88 (03/2022) ab heute im Handel!