Threshold

For The Journey

Nuclear Blast
VÖ: 2014

Leckerbissen im eigenen Saft

Und wieder haben sie es geschafft! Auch auf ihrem mittlerweile zehnten Studioalbum liefern die britischen Prog-Metaller mit dem goldenen Händchen für hochatmosphärische Ohrwürmer kompositorische Gourmetkost ab. Dabei fällt ihre neue Scheibe kompakter und geradliniger aus als der gefeierte Vorgänger March Of Progress: Songs wie ›Turned To Dust‹, ›Autumn Red‹ und ›Watchtower On The Moon‹ machen For The Journey sogar zum zugänglichsten Werk in der Geschichte von Threshold — direkt an der Seite des königlichen Hypothetical (2001) und dem häufig unterschätzten Dead Reckoning (2007), dem letzten Werk mit Sänger Andrew McDermott vor der Rückkehr ihrer Originalstimme Damian Wilson. Selbst das 12-minütige ›The Box‹, das in der Tradition großer Band-Epen wie ›Sanity’s End‹, ›The Ravages Of Time‹ oder zuletzt ›The Rubicon‹ steht, prunkt mit Gänsehautmelodien en masse.

Wenn man Threshold einen Vorwurf machen kann, dann den, dass wirkliche Überraschungsmomente rar gesät sind auf For The Journey und die beiden Hauptsongschreiber Karl Groom (Gitarre) und Richard West (Keyboards) ihre Ideen mittlerweile bevorzugt im eigenen Saft schmoren lassen, anstatt wahrhaft progressive Ambitionen zu verfolgen. Dies wird vor allem beim eröffnenden ›Watchtower On The Moon‹ deutlich, das gleich an mehreren Stellen deutliche Parallelen zu ›Slipstream‹ (Dead Reckoning) und ›Ashes‹ (March Of Progress) aufweist.

Als Glücksfall entpuppt sich vor diesem Hintergrund der 2007 engagierte Zweitgitarrist Pete Morten, der schon zu March Of Progress zwei Nummern mit frischen Ansätzen beisteuerte und auch For The Journey einen magischen Augenblick (›Siren Sky‹) spendierte. Und solange das Duo Groom/West noch in der Lage ist, sich einen Über-Song wie ›The Mystery Show‹ abzuringen, ist die Welt ohnehin in allerbester in Ordnung.

(9/10)

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