T.Rex

Tanx (1973)

In der britischen Glitter-Welle der ersten Hälfte der Siebziger wurde Marc Bolan zum Propheten des Glam-Rock. Seinen bewährten Hit-Formeln will er 1973 nicht mehr länger folgen: Tanx ist hörbar durchzogen von Bolans Drang zur Veränderung.

TEXT: DANIEL BÖHM

»Glam ist tot!«, erklärte Marc Bolan in seinem Stolz verletzt, als 1973 immer mehr neue Genre-Bands die Aufmerksamkeit von ihm weglenkten — und im Grunde doch nur Bestandteile der Musik und der Bildmalerei aufgriffen, die Bolan zuvor wegbereitend zusammengebracht hatte. Er will weg von seinen bewährten Hit-Formeln und ist geradezu besessen von der Idee, mit zeitgenössischen Soul-Adaptionen auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Herrlich dekadente Glam-Rock-Symphonien im Dreiminutenformat, wie sie The Slider im Jahr zuvor mit ›Metal Guru‹, ›Rock On‹, ›Mystic Lady‹ oder dem verhältnismäßig harten ›Telegram Sam‹ am laufenden Meter abschoss, sind daher auf dieser LP nur bedingt zu finden.

Tanx ist hörbar durchzogen von Bolans Drang zur Veränderung — eine klare Zielvorstellung hat er allerdings ebenso wenig wie sein Produzent Tony Visconti. Stücke wie ›Electric Slim And The Factory Hen‹ oder ›Mad Donna‹ scheinen vorwegzunehmen, was David Bowie zwei Jahre später auf Young Americans stark gesäubert und geschliffen zu Perfektion und Ehren bringt. Ausgerechnet die nicht auf der Platte enthaltene Single ›20th Century Boy‹ gibt als gitarrengewaltiger Glam-Hardrocker den Hit.


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