All Them Witches

Dying Surfer Meets His Maker

New West
VÖ: 2015

Kolossal und bedrohlich

Seit ihrer ersten Platte haben All Them Witches eine beachtliche Entwicklung durchlaufen: Auf Our Mother Electricity (2012) ließ die Band aus Nashville einen sumpfigen Sound aufsteigen, der sich nie ganz festlegen wollte, ob er psychedelischer Bluesrock, verflucht intelligent gespielter Stoner-Rock oder ganz und gar den Siebzigern entsprungener Heavy-Rock sein sollte. Der Nachfolger klang ein Jahr später etwas stärker produziert und in Ausbrüchen deutlich härter.

Im Grunde hatte der eigensinnige Vierer auf Lightning At The Door aber nichts anderes getan, als seine Stärken auszubauen, die in hypnotischen und tief psychedelischen Heavy-Blues-Jams mit geschmackvoller Gitarrenarbeit liegen, in der Peter Greens späte Fleetwood Mac deutliche Spuren hinterlassen haben. Auf Dying Surfer Meets His Maker erinnert noch am ehesten ›This Is Where It Falls Apart‹ daran — ihre dritte Platte wirkt um einiges kolossaler und bedrohlicher als seine Vorgänger und ist überhaupt viel stärker auf Atmosphäre bedacht.

Neu in ihrem Sound sind kleidsame Folk-Anleihen (›Call Me Star‹, ›Mellowing‹, ›Open Passageways‹), die in den besseren Momenten an Led Zeppelin denken lassen und der Musik von All Them Witches eine geheimnisvolle Aura verpassen. Faszinierend und eigenständig ist diese Band noch immer; empfehlenswerter als Dying Surfer Meets His Maker aber sind die beiden Vorgängeralben, die als Neueditionen zum ersten Mal in Europa erschienen sind.

(8/10)
TEXT: DANIEL BÖHM

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