Flying Circus

1968

Fastball
VÖ: 2000

Kongenial vertontes Schicksalsjahr

Der „Summer of Love“ war 1968 definitiv vorbei. In jenem Jahr, dem Flying Circus ihr neues Konzept-Werk gewidmet haben, wurde Martin Luther King erschossen, US-Soldaten richteten im vietnamesischen Mỹ Lai ein Massaker an, in Paris oder Berlin gingen nicht nur Studenten auf die Straßen, der Prager Frühling wurde niedergeschlagen. Das globale Geschehen reflektieren die Musiker in acht Songs, deren Titel die Ortsnamen ihrer Schauplätze tragen (etwa ›Paris‹, ›Prague‹, ›Mỹ Lai‹, ›Berlin‹), sowie einem Stück über die verlorenen Hoffnungen (›The Hopes We Had (In 1968)‹). Seit jeher im Grenzgebiet zwischen Hard- und Progressive Rock angesiedelt, haben die Grevenbroicher für ihr in den Dierks Studios eingespieltes sechstes Album durchgängig einen progressiven Ansatz gewählt und dem Sujet entsprechend sperrige Klänge gefunden, die den Hörer geradezu provozieren und keinesfalls mit Gefälligem davonkommenlassen. Die vorherrschende Grundstimmung ist bedrohlich-beklemmend statt hoffnungsvoll, harmonisch-melodische Passagen werden, kaum aufgebaut, wieder aufgebrochen. Tragik und Trauer sind allgegenwärtig, musikalische Anspielungen und Zitate inklusive, kunstvoll konstruiert und verästelt, bis am Ende doch die Hoffnung auf Wahrheit hervorbricht.

(8/10)
TEXT: AMIR SHAHEEN

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