Heart

Live In Atlantic City [DVD/CD]

EAR Music
VÖ: 2019

Verschwesterung mit Verstärkergebrüll

Die Gäste, die die Wilson-Schwestern am 10. März 2006 beim Decades Rock in Atlantic City versammelt hatten, kommen aus den unterschiedlichsten Richtungen — von Grunge bis Country. Allesamt ziehen sie mit ihren Beiträgen vor der Rock-Institution Heart den Hut. Die Band hat ihre Setliste auch im Hinblick auf die »ungewöhnliche Mischung« (Ann Wilson) ihrer Gäste geschickt gebaut und liefert ihnen ein perfekt eingespieltes, sattes Brett, auf dem sie ihre Talente tanzen lassen: So Dave Navarro, der ›Bebe Le Strange‹ eine ordentliche Portion Heavyness einflößt und sich formschöne Gitarrenduelle mit Heart-Gitarrist Craig Bartock liefert.

Mit ›Crazy On You‹ ist die Betriebstemperatur erreicht — die Nummer aus den Siebzigern erzittert geradezu in Sturm und Drang, und selbstredend ist Ann Wilsons Gesang ebenso perfekt wie markerschütternd emotional. Die Frau lebt ihre Songs ein ums andere Mal und zeigt, dass sie — von Robert Plant abgesehen — der beste Robert Plant des Planeten ist. Auch bei diesem Konzert huldigen die Herzdamen wieder ihren Idolen Led Zeppelin — mit zwei ganz unterschiedlichen Covers: In ›Rock’n’Roll‹ erweist sich Country-Star Gretchen Wilson als Hardrock-kompatibler Brüllwürfel und für ›Misty Mountain Hop‹ darf noch mal Dave Navarro als Gitarrenbereicherung ran. Allein Carrie Underwood bleibt bei der weitgehend akustischen Version von ›Alone‹ als Gastsängerin ein wenig farblos, einfach zu brav. Hingegen ist es eine perfekte Wahl, Rufus Wainwright seinen Heart-Lieblingssong ›Dog And Butterfly‹ singen zu lassen. Ihm sieht und hört man deutlich an, wie sehr er sich geehrt fühlt. Als schließlich Alice In Chains und Duff McKagan die Bühne entern, wird man Zeuge einer ausgelassenen Verbrüderung und Verschwesterung, die im Finale mit einer ausgedehnten ›Barracuda‹-Orgie endgültig zur wilden Party wird. Die gute Laune auf der Bühne ist den Blicken der Musiker anzusehen, die eine kluge und umsichtige Bildregie in bester Qualität einfängt — und das entfesselte Verstärkergebrüll einer ganzen Armee von Gitarristen weist der Seele des Betrachters den Weg durch die Nacht.

Keine Wertung

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