Motorpsycho

Behind The Sun

Stickman
VÖ: 2014

Gekonnter Spagat

Seit fünfundzwanzig Jahren irrlichtern die Norweger durch die Weiten des konventionsfreien Klangkosmos, ohne auch nur einen Funken ihres ausgeprägten Abenteurergeistes verloren zu haben. Die Kooperation mit dem Trondheimer Jazzorchester und einem Streichoktett auf The Death Defying Unicorn markierte vor zwei Jahren den Höhepunkt ihres fantasievollen Schaffens: ein psychedelisches, ganz und gar nach den Lehren von Robert Fripp und King Crimson errichtetes Epos — und eine ziemlich harte Nuss.

Behind The Sun ist seitdem die zweite LP des Trios, auf der sich Motorpsycho noch immer von vertonten Stimmungen leiten lassen, ihre Musik aber wieder erfreulich eindeutig in den Heavy-, Prog- und Psychedelic-Rock-Kontext der Siebziger betten: Das abermalige Hinzuziehen von Reine Fiske als zusätzlichem Gitarristen wirkt Wunder. Ein Teil der Kunst von Motorpsycho liegt abseits ihrer warm tönenden, atmosphärisch dichten und von Mellotron, West-Coast-Gesangsharmonien, irren Jam-Soli und Jazz-Grooves durchzogenen Musik: Wie kaum eine zweite Formation verstehen es die Nordmänner, beinharte Anhänger der frühen Yes, Camel und Gentle Giant genauso für sich zu begeistern wie gestandene Alternative-Rocker. Das ist wahrer Crossover.

(8.5/10)

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