The Pogues

Shane MacGowan (1957-2023)

Shane MacGowan ist tot. Der langjährige Frontmann der Folk-Punker The Pogues starb im Alter von 65 Jahren.

TEXT: MAXIMILIAN BLOM |FOTO: Screenshot

Geboren wurde Shane Patrick Lysaght MacGowan am 1. Weihnachtstag 1957 als Sohn irischer Eltern im englischen Kent; seine Kindheit und Jugend verbrachte er im irischen Tipperary sowie in den englischen Städten Brighton und London.

Sie sollte seine weitere musikalische Karriere maßgeblich beeinflussen: Über seine Jahre im irischen Bauernhaus seiner Familie sagte er 2013 der britischen Zeitung Guardian: »Es war wie ein Leben in einem Pub.« Bereits als Kind begann er dort zu rauchen und zu trinken; Suchterkrankungen sollte ihn sein Leben lang begleiten.

Dass hinter dem rauen Äußeren ein kluger wie nachdenklicher Charakter schlummerte, zeigte sich nicht nur in den späteren Texten MacGowans: Mit 14 wird er auf die Westminster School aufgenommen — im zweiten Jahr wird er von der renommierten Londoner Privatschule allerdings wegen Drogenbesitzes wieder verwiesen.

Stattdessen begann er in einem Plattenladen im Londoner Stadtteil Soho zu arbeiten und gründete einige Jahre seine erste Punkband mit dem Namen The Nipple Erectors, die ihren Namen zwei Jahre später in The Nips kürzten, um im prüden England der ausgehenden siebziger Jahre Auftritte bekommen zu können. Mit ihnen spielte er vier Singles und die Livescheibe Only The End Of The Beginning (1980) ein.



Der große Durchbruch gelang ihm aber mit den Pogues: Die irisch-englische Kollaboration gründete sich 1981 als The New Republicans und benannten sich im Jahr darauf in Pogue Mahone um — widerum eine zu anrüchige Namenswahl, handelt es sich doch um die anglisierte Version der irisch-gälischen Entsprechung für »Küss meinen Arsch«. Stattdessen verkürzten sie den Namen.

Mit der Formation besann sich MacGowan musikalisch wie textlich auf seine irischen Wurzeln und beschäftigte sich mit dem irischen Nationalismus und den Themen mittelloser irischer Einwanderer in London und anderen Städten: Ihre erfolgreichste Single ›Fairytale Of New York‹ (von If I Should Fall From Grace With God, 1988) erzählt die Geschichte eines betrunkenen Immigranten in einer New Yorker Ausnüchterungszelle.



Seinem unbezweifelten Talent als Songwriter und seine Bedeutung als einer der Erneuerer irischer Folk-Musik stand sein unsteter Lebenswandel stets im Weg: Jahrelang war MacGowan heroinabhängig, von Alkohol und Tabak kam er bis an sein Lebensende nicht los.

Seine Eskapaden kosteten ihm 1991 seine Mitgliedschaft bei den Pogues; erst zehn Jahre später kehrte er zur Band zurück. Das letzte zu MacGowans Lebzeiten veröffentlichte Album war The Pogues In Paris: 30th Anniversary Concert At The Olympia aus dem Jahr 2012. Für sein Lebenswerk wurde er 2018 vom irischen Präsidenten Michael D. Higgins geehrt.

In den letzten Jahren litt er unter diversen körperlichen Gebrechen: Seit einem Sturz im Jahr 2015 saß er im Rollstuhl; wegen diverser Infektionen verbrachte er in den letzten anderthalb Jahren mehrere Monate im Krankenhaus.

Am 30. November starb Shane MacGowan. Er wurde 65 Jahre alt.


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